Auf der Wahlparty der Grünen liegt Spannung in der Luft. Jubel brandet auf, doch der Mann des Abends bleibt vorsichtig. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir will nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg noch keinen endgültigen Triumph ausrufen.
„Was für ein Wahlkampf, was für eine fulminante Aufholjagd“, sagt er vor seinen Anhängern in Stuttgart. Der Ton ist stolz, fast erleichtert. Aber Özdemir bremst zugleich die Erwartungen. „Aber es ist noch zu früh, um final was zu sagen.“
Die Zahlen deuten dennoch auf einen historischen Moment hin. Nach den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF kommen die Grünen im Mittel auf 31,8 Prozent der Stimmen. Damit liegen sie vor der CDU, die auf 29,8 Prozent kommt. Sollte sich dieses Ergebnis bestätigen, dürfte Özdemir bei einer wahrscheinlichen Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition Ministerpräsident werden.
Der Grünen-Politiker blickt in seiner Rede bereits vorsichtig nach vorn. Die kommende Zusammenarbeit müsse wieder eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ sein, sagt er. Der Wahlkampf sei vorbei. „Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen.“
Dabei erinnert Özdemir an die vergangenen Jahre gemeinsamer Regierungsarbeit. Mit der CDU habe man im Südwesten zehn Jahre „gut und erfolgreich zusammen regiert“. Die Erfolge dieser Zeit seien gemeinsame Leistungen der Koalitionspartner gewesen. Die CDU habe daher jeden Grund, „auf diese Erfolge genauso stolz zu sein, wie wir es sind“.
Rechnerisch gäbe es für die Christdemokraten auch eine andere Option: Gemeinsam mit der AfD, die laut Hochrechnungen auf 17,8 Prozent kommt, wäre eine Mehrheit möglich. Doch eine solche Konstellation schließen die Christdemokraten aus.
Während die Grünen auf Platz eins zusteuern, erlebt die SPD einen bitteren Wahlabend. Laut Hochrechnungen kommt sie nur noch auf 5,5 Prozent der Stimmen. Für die FDP endet der Wahlabend ebenfalls enttäuschend: Mit 4,5 Prozent verpasst sie den Wiedereinzug in den Landtag. Auch die Linke bleibt mit dem gleichen Ergebnis unter der Fünf-Prozent-Hürde.
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel vermeidet in seiner ersten Rede nach der Wahl eine klare Einordnung des Ergebnisses. Stattdessen bedankt er sich bei Wählern und Unterstützern für das Vertrauen. Zwar landet seine Partei laut Prognosen von ARD und ZDF nur auf dem zweiten Platz, doch im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren kann sich die CDU immerhin deutlich verbessern.
Für die SPD hat der Wahlabend dagegen unmittelbare personelle Konsequenzen. Nach der schweren Niederlage kündigt Spitzenkandidat Andreas Stoch noch am selben Abend seinen Rückzug an. Er wolle zeitnah sowohl den Landesvorsitz als auch den Fraktionsvorsitz abgeben, erklärt der SPD-Politiker.
Die Hochrechnungen zeichnen ein klares Bild der neuen Kräfteverhältnisse im Südwesten: Die Grünen liegen mit im Mittel 31,8 Prozent vorne, gefolgt von der CDU mit 29,8 Prozent. Die AfD erreicht 17,8 Prozent. Die SPD stürzt auf 5,5 Prozent ab. FDP und Linke scheitern mit jeweils 4,5 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und ziehen nicht in den Landtag ein. +++ red.










