Gewalt1

Neue Gewaltstudie schockiert – Hilferufe nach Konsequenzen werden immer lauter

Nach der Vorstellung einer neuen Dunkelfeldstudie zu Gewalt ist die Debatte neu entfacht – und der Druck auf die Politik wächst. Angesichts alarmierender Zahlen fordert der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) deutlich mehr Unterstützung für Betroffene von Gewalt. „Wir brauchen dringend einen Ausbau und die strukturelle und finanzielle Absicherung des Hilfesystems“, mahnte Claudia Igney, Referentin des BFF, in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das im Jahr 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz sei dabei zwar ein wichtiger erster Schritt. Es sieht ab 2032 einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für alle Frauen vor, die von geschlechtsspezifischer oder häuslicher Gewalt betroffen sind. Doch Igney macht klar: „Das muss konsequent und bedarfsgerecht umgesetzt werden.“

Damit Gewalt insgesamt zurückgedrängt werden könne, reiche ein Gesetz allein jedoch nicht aus. „Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonte Igney. Notwendig sei ein enges Zusammenspiel von Prävention, konkreter Unterstützung für Betroffene, wirksamem Opferschutz und Strafverfolgung. Ebenso wichtig seien Täterarbeit, etwa in Form sozialer Trainingskurse für gewaltausübende Personen, sowie umfassende Fortbildungen für Fachkräfte im Gesundheitswesen, in Bildungseinrichtungen, bei Polizei und Justiz.

Die Dunkelfeldstudie zeigt besonders bei Partnerschaftsgewalt ein erschreckend großes Ausmaß an nicht erfassten Fällen. „Weniger als fünf Prozent der Gewalttaten gelangen zur Kenntnis der Polizei“, erklärte Igney. Gerade deshalb seien niedrigschwellige Hilfsangebote von enormer Bedeutung, wie sie Fachberatungsstellen anbieten. Die Unterstützung orientiere sich stets daran, was die Betroffene aktuell brauche und wünsche. „Wenn die Tat erst vor Kurzem geschehen ist, geht es vielleicht erstmal darum, das Erlebte einordnen zu können, wieder Stabilität im Alltag zu bekommen und die nächsten Schritte zu überlegen.“

Bei Gewalt in Partnerschaften könnten Maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz wie Kontakt- und Näherungsverbote gegen den gewalttätigen (Ex-)Partner helfen. Manchmal könne es auch sinnvoll sein, zunächst für ein paar Tage zu einer Freundin zu ziehen, um in Ruhe weitere Schritte zu planen. Wenn gemeinsame Kinder betroffen seien, müssten zudem Regelungen zu Umgang und Sorge getroffen werden. Für niedrigschwellige Hilfe seien Schulungen aller Berufsgruppen, die mit Betroffenen in Kontakt kommen, unverzichtbar, betonte Igney – etwa für medizinisches Personal.

Besonders besorgniserregend sei laut BFF zudem die hohe Betroffenheit junger Menschen von Gewalt. „Prävention und Hilfsangebote müssen früh ansetzen“, sagte Igney mit Blick auf Kindergarten und Schule. Entscheidend sei auch ein gesamtgesellschaftlicher Wandel. „Die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Abbau von Machtungleichgewichten sind zentral“, so Igney. „Überall da, wo es Machtungleichgewicht und Abhängigkeiten gibt, ist ein Nährboden für Gewalt.“

Als Beispiele nannte sie Vorgesetzte, die ihre Macht missbrauchen, sowie Situationen, in denen Frauen sich aufgrund finanzieller Abhängigkeiten nicht von ihrem Ehemann trennen können. Es gebe zahlreiche Stellschrauben, an denen gesellschaftlich gedreht werden müsse. „Zum Teil wird daran gearbeitet, aber zu oft ist das nur punktuell“, kritisierte Igney. „Schutz vor Gewalt und Hilfe für Betroffene muss Priorität haben – immer. Und nicht nur am 25.11. oder wenn eine neue Studie vorgestellt wird.“

Auch aus der Politik kommen deutliche Worte. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann spricht von einem „massiven Gewaltproblem“ in Deutschland. „Insbesondere das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen ist erschreckend, sie werden besonders häufig Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen“, sagte Haßelmann den Funke-Zeitungen. Frauen berichteten seit Jahren von struktureller Gewalt, so die Co-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion. „Sie brauchen mehr Schutz und es ist wichtig, dass sie gehört werden.“

Mit dem Gewalthilfegesetz sei zwar ein wichtiger Schritt getan, doch nun sei die Bundesregierung gefordert. „Die jetzige Bundesregierung muss das nun konsequent fortsetzen und sich an die Seite der von Gewalt betroffenen Frauen stellen“, verlangte Haßelmann. Notwendig seien eine Stärkung niedrigschwelliger Anlaufstellen, der Ausbau von Angeboten für Frauen in Not sowie ein besserer Schutz für Frauen und queere Menschen. Ihre klare Botschaft zum Schluss: „Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.“ +++ adm

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Spd OHR1

Muehr ohr1