Im hessischen Nahverkehr drohen am Dienstag massive Einschränkungen für Fahrgäste: Die Gewerkschaft ver.di ruft Beschäftigte in mehreren Städten erneut zum Warnstreik auf. Betroffen sind die Verkehrsunternehmen in Kassel, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Gießen und Marburg. Der Ausstand soll mit Betriebsbeginn starten und erst in der Nacht zum Mittwoch enden.
Aufgerufen sind die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF), die Stadtwerke Gießen, die Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG), die Kasseler Verkehrsbetriebe (KVG) sowie ESWE Verkehr in Wiesbaden. Der Streik beginnt jeweils mit der Frühschicht und dauert bis zum Ende der letzten Schicht – auch wenn diese erst am Folgetag endet.
Hintergrund ist die festgefahrene Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Personennahverkehr in Hessen. Nach Angaben der Gewerkschaft richtet sich der Protest gegen Pläne der Arbeitgeber, bei tariflich vereinbarten Zulagen zu sparen. Diese Vorschläge seien bei der dritten Verhandlungsrunde überraschend kurz vor Abschluss eingebracht worden.
Konkret geht es unter anderem um eine Zulage zur Mitarbeitergewinnung, die künftig mit Tariferhöhungen verrechnet werden soll. Zudem soll eine seit langem tariflich vereinbarte Aufstockung des Krankengelds gekürzt werden – Pläne, die bei der Gewerkschaft auf scharfe Kritik stoßen.
Verhandlungsführer Jochen Koppel kündigte eine harte Linie an: „Wir machen jetzt nochmal Druck mit dem weiteren hessenweiten Streik. Damit machen wir deutlich, dass wir entschlossen sind, keine tariflich erprobten Vereinbarungen zu opfern.“ Für die nächste Verhandlungsrunde erwarte man, dass die Arbeitgeber ihre Vorhaben überdenken.
Bei den Tarifgesprächen stehen nicht klassische Gehaltserhöhungen im Mittelpunkt. Der hessische Vertrag ist an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gekoppelt. Stattdessen geht es vor allem um bessere Arbeitsbedingungen und strukturelle Verbesserungen: Zuschläge sollen künftig auf Basis der individuellen Entgeltstufe berechnet werden, Beschäftigte sollen bei einer Höhergruppierung ihre Erfahrungsstufe behalten können und damit keine finanziellen Nachteile erleiden.
Zu den weiteren Forderungen zählen eine Ballungsraumzulage für alle Beschäftigten, eine Erhöhung der leistungsorientierten Bezahlung sowie Schicht- und Wechselschichtzulagen für alle Beschäftigtengruppen. Bislang profitieren davon überwiegend Beschäftigte in Werkstätten, während der Fahrdienst meist leer ausgeht.
Für Pendlerinnen und Pendler in den betroffenen Städten bedeutet der Streik voraussichtlich erhebliche Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr – und der Tarifkonflikt dürfte auch über Dienstag hinaus für Spannungen sorgen. +++











