Was macht die Region Osthessen medial wirklich aus? Wer genauer hinschaut, kann diese Frage erstaunlich eindeutig beantworten. Denn das Bild, das sich heute zeigt, ist im Kern kein neues. Schon vor Jahren war die Lage vergleichbar, die Mechanismen ähneln sich bis heute. Geändert haben sich vor allem einzelne handelnde Personen, nicht jedoch die Strukturen, in denen sie agieren. Die osthessische Medienlandschaft ist seit Jahrzehnten von wenigen, dominanten Akteuren geprägt, deren Reichweite und Einfluss weit über klassische Informationsvermittlung hinausgehen.
Seit jeher gelingt es einer bestimmten christlichen Partei, Medien in mehr oder weniger ausgeprägte Abhängigkeiten zu führen. Während früher vor allem die gedruckte Presse betroffen war – allen voran etablierte Tageszeitungen mit regionalem Monopolanspruch –, sind es heute nahezu alle relevanten Online-Medien, die in dieses Geflecht eingebunden sind. Wohlgemerkt: nahezu alle. Neben traditionellen Verlagshäusern haben sich digitale Portale etabliert, die für sich journalistische Unabhängigkeit reklamieren, faktisch jedoch häufig eng mit lokalen Machtstrukturen, wirtschaftlichen Interessen und politischen Akteuren verwoben sind. Es gibt sie noch, die wenigen Ausnahmen. Doch jene Medien, die sich angepasst verhalten und „brav“ mitspielen, erfahren eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Anders lässt sich dieses Verhältnis kaum beschreiben.
Besonders sichtbar wird diese Bevorzugung bei Großereignissen und bei Werbeschaltungen CDU-naher Unternehmen und Institutionen. Ob es früher der Geburtstag des Landkreises war oder aktuell der bevorstehende Hessentag in der Region: Bestimmte Medien werden als besonders relevant eingestuft, frühzeitig eingebunden und entsprechend hofiert. Diese Nähe äußert sich nicht nur in exklusiven Zugängen, Interviews und Bildmaterial, sondern auch in Anzeigenaufträgen und langfristigen Geschäftsbeziehungen. Selbst der Oberbürgermeister der Stadt reiht sich in dieses Muster ein, indem er bevorzugt jene Plattformen bedient, die politische Nähe signalisieren oder zumindest keine kritische Distanz erkennen lassen. Unweigerlich stellt sich dabei die zentrale Frage: wichtig für wen eigentlich? Und für welche Bevölkerung?
Dabei ist die Kritik an dieser Form von Lokaljournalismus kein isoliertes Phänomen. Immer wieder wird – parteiübergreifend – beanstandet, dass Berichterstattung in Osthessen häufig eher offiziellen Verlautbarungen folgt als eigenständiger Recherche. Pressemitteilungen werden übernommen, Termine protokolliert, Bilder geliefert. Tiefergehende Einordnung, kritische Nachfragen oder investigatives Arbeiten bleiben oft die Ausnahme. Wirtschaftlicher Druck, personelle Ausdünnung der Redaktionen und die Abhängigkeit von Anzeigenkunden verschärfen diese Entwicklung zusätzlich.
Die Menschen in der Region haben ihr Urteil längst gefällt. Viele von ihnen greifen bewusst auf andere Medien zurück oder kombinieren verschiedene Informationsquellen. Oder, wie es einmal treffend formuliert wurde: Ich habe mein Stammmedium – und für alles andere kaufe ich mir lieber die Zeitung mit den vier Buchstaben. Dieses Bonmot verweist auf ein gewachsenes Misstrauen gegenüber lokaler Hofberichterstattung und den Wunsch nach Distanz, Zuspitzung oder zumindest einem anderen Blickwinkel.
Denn wer möchte auf Dauer nichts anderes konsumieren als Hofberichterstattung? Berichte, deren offensichtlicher Hauptzweck darin besteht, vor allem eines zu liefern: Bilder, viele Bilder. Genau diese Bilder werden geliefert – von Eröffnungen, Ehrungen, Händeschütteln. Sie lenken ab von dem, was als qualitativ hochwertige Berichterstattung verkauft wird, in Wahrheit jedoch häufig an der Oberfläche bleibt. Inhaltliche Konflikte, strukturelle Probleme oder politische Verantwortung geraten dabei allzu leicht aus dem Blick.
Bevorzugt wird in diesem Zusammenhang fast alles, was den Begriff „Osthessen“ möglichst sichtbar im Namen trägt. Das signalisiert Nähe zur Region, Vertrautheit, Heimatverbundenheit – zumindest nach außen. Ob diese Nähe auch inhaltlich gelebt wird oder lediglich Teil eines medialen Gleichklangs ist, der politische und wirtschaftliche Interessen absichert, bleibt am Ende eine offene Frage. Eine Frage allerdings, die für eine demokratische Öffentlichkeit in der Region von zentraler Bedeutung ist. +++ redaktion ohr











