Wer am Montagabend draußen unterwegs war, traute seinen Augen kaum: Am Himmel zeigte sich ein Naturschauspiel, das sonst vor allem mit den hohen Breiten des Nordens verbunden wird. Bunte Polarlichter spannten sich über das Firmament – nicht nur in Skandinavien, sondern auch über Osthessen. Leuchtende Schleier in beeindruckender Intensität sorgten für Staunen, viele Beobachter machten sich gezielt auf die Suche nach dunklen Orten, blickten fasziniert nach oben und hielten das seltene Schauspiel mit ihren Kameras fest.
Verantwortlich für das farbenprächtige Himmelsspektakel ist ein sogenannter X-Klasse-Sonnensturm, der derzeit durch den Weltraum auf die Erde trifft. Die Sonne schleudert dabei enorme Mengen energiegeladener Teilchen ins All. Treffen diese Teilchen auf die Erdatmosphäre, kollidieren sie mit Gasmolekülen, regen diese zum Leuchten an und lassen Polarlichter entstehen. Welche Farben am Himmel erscheinen, hängt dabei von der Energie der Teilchen und der Höhe ab, in der die Wechselwirkungen stattfinden.
Normalerweise gehören Polarlichter in nördlichen Regionen wie Skandinavien fast zum Alltag. Am Montagabend jedoch reichte das Leuchten deutlich weiter nach Süden. Zahlreiche deutsche Regionalmedien berichteten über Sichtungen in verschiedenen Bundesländern. Auch aus Osthessen liegen eindrucksvolle Aufnahmen vor: großflächige rote Aurora-Schleier hoch am Himmel und – näher am Horizont – teilweise grünliche Bögen. Physikalisch lässt sich dieses Farbenspiel erklären. In mittleren Breiten dominiert häufig die rote Farbe, da sie aus höheren Atmosphärenschichten stammt. Grün entsteht in tieferen Höhen und wird bei ausreichend starker Energiezufuhr ebenfalls sichtbar.
Ein geomagnetischer Sturm dieser Größenordnung ist selten, im Umfeld eines aktiven Sonnenzyklus jedoch kein außergewöhnliches Ereignis, sondern Ausdruck des sogenannten Weltraumwetters. Für die Bevölkerung besteht keine direkte Gefahr. Relevanter sind mögliche Auswirkungen auf technische Systeme, etwa Störungen im Kurzwellenfunk, einzelne Ungenauigkeiten bei GPS-Signalen oder eine erhöhte Belastung für Stromnetze. Entsprechend aufmerksam verfolgen Behörden und Betreiber solche Entwicklungen.
Ob sich das farbige Himmelsschauspiel in der kommenden Nacht erneut zeigt, hängt davon ab, ob weitere Sturmpulse die Erde erreichen und ob sich das interplanetare Magnetfeld erneut über längere Zeit südlich ausrichtet. Genau darin liegt die Unsicherheit solcher Prognosen: Während sich der Zeitpunkt der Ankunft vergleichsweise gut berechnen lässt, entscheiden sich Stärke und sichtbare Wirkung oft erst kurz vorher. +++ adm















