Große Veränderungen bei der LANGGROUP: Einer der führenden deutschen Anbieter für Werkstattausrüstung, Schweißtechnik, Arbeitsschutz und Reinigung stellt sein Geschäft grundlegend neu auf. Ziel ist es, Kunden künftig ein noch stärkeres, moderneres und breiteres Angebot zu machen. Dafür sollen drei Tochterunternehmen der Gruppe zu einem neuartigen Händler- und Dienstleisterverbund zusammengeführt werden. Um diese umfassende Neustrukturierung schnell und kontrolliert umzusetzen, hat die LANGGROUP für diese Gesellschaften sogenannte Schutzschirmverfahren eingeleitet.
Konkret betrifft das die Iwetec GmbH, die Technolit GmbH sowie die Lang Service GmbH (LSG). Iwetec und Technolit sind seit vielen Jahrzehnten feste Größen als Werkstattausrüster für zahlreiche mittelständische Schlüsselbranchen. Die Lang Service GmbH fungiert als zentrale Verwaltungsgesellschaft der Unternehmensgruppe. Wichtig für Kunden und Beschäftigte: Der Geschäftsbetrieb aller Gruppenunternehmen läuft während der gesamten Sanierungsphase uneingeschränkt weiter. Bestellungen werden weiterhin wie gewohnt bearbeitet und pünktlich ausgeliefert.
Mit dem neuen Zusammenschluss will die LANGGROUP ihr Leistungsangebot deutlich ausbauen. Geplant sind ein erweitertes Produktportfolio sowie neue Dienstleistungen, darunter Service-, Prüf- und Beratungsangebote. Zusätzlich wird der technische Service gestärkt, da Kunden künftig vom gebündelten Know-how aller Gesellschaften profitieren sollen. Parallel dazu hat die LANGGROUP damit begonnen, alternative internationale Einkaufsquellen zu erschließen, um ihren Kunden künftig attraktivere Konditionen anbieten zu können.
Ein Schutzschirmverfahren bedeutet dabei ausdrücklich keine Pleite. Bei dieser Form der Restrukturierung bleibt die unternehmerische Verantwortung vollständig in den Händen der Geschäftsführung – man spricht von Eigenverwaltung. Das Instrument steht ausschließlich Unternehmen offen, die nicht zahlungsunfähig sind. Genau das ist bei den drei betroffenen LANGGROUP-Gesellschaften der Fall: Sie sind weiterhin zahlungsfähig und können auch während des Schutzschirmverfahrens all ihren laufenden Verpflichtungen nachkommen.
Zugleich bietet das Schutzschirmverfahren eine Reihe bewährter und schnell umsetzbarer Instrumente, mit denen eine Neuaufstellung zügig vorangebracht werden kann. Der gesamte Prozess soll bereits Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Um die Sanierung zu unterstützen, hat die Gesellschafterfamilie Lang zugesagt, frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. Welche konkreten Maßnahmen im Einzelnen umgesetzt werden, soll im Laufe des Verfahrens gemeinsam mit allen Beteiligten im Rahmen eines Sanierungsplans erarbeitet werden.
Am heutigen Mittag informierte LANGGROUP-Geschäftsführerin Lang die rund 930 Beschäftigten der drei Unternehmen über die Einleitung der Schutzschirmverfahren. Bei der Technolit GmbH arbeiten 410 Mitarbeiter, bei der Iwetec GmbH 214 und bei der Lang Service GmbH 312. Die gute Nachricht für die Belegschaft: Die Löhne und Gehälter sind in der Anfangsphase des Verfahrens durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Für die weiteren deutschen Tochterunternehmen der LANGGROUP, die HOTREGA GmbH – tätig im Bereich Reinigungsmittel sowie Kleb- und Dichtstoffe – und die Wilpeg GmbH aus dem Online-Handel, sind keine Schutzschirmverfahren geplant. Beide Gesellschaften gelten als solide aufgestellt und wirtschaftlich gesund.
Ein Schutzschirmverfahren bedarf der Zustimmung eines Gerichts. Das Amtsgericht Fulda hat dem Antrag bereits stattgegeben. „Die Gerichte erlauben dies nur in solchen Fällen, in denen Unternehmen frühzeitig selbst aktiv werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht“, erklärte Florian Dausend vom Frankfurter Büro der Sanierungsberatung Wellensiek. Beides treffe auf die drei LANGGROUP-Unternehmen zu. Dausend sowie sein Kollege Friedrich Birnbreier unterstützen die Geschäftsführung während des gesamten Sanierungsprozesses als Generalbevollmächtigte. Ergänzt wird das Beraterteam durch Wellensiek-Seniorpartner Alfred Hagebusch.
Im Gegensatz zu einer Regelinsolvenz wird in einem Schutzschirmverfahren kein Insolvenzverwalter eingesetzt. Stattdessen bestellt das Gericht lediglich einen sogenannten Sachwalter, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht – vergleichbar mit der Rolle eines Aufsichtsrats. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bestellt. Flöther, einer der bekanntesten deutschen Sanierungsexperten, betonte: „Das Schutzschirmverfahren ist das beste und erfolgreichste Sanierungsinstrument des deutschen Sanierungsrechts.“ Er verwies dabei auch auf seine Erfahrungen, unter anderem bei der erfolgreichen Neuaufstellung der Fluglinie Condor. Für die drei Unternehmen der LANGGROUP seien das „hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Neuaufstellung“.









