Die Verteilung der hessischen Forschungsförderung sorgt erneut für Kritik. Der FDP-Kreisvorsitzende von Fulda, Mario Klotzsche, wirft der Landespolitik eine massive Schieflage bei der Vergabe der Mittel aus dem LOEWE-Programm vor. Die Zahlen, so Klotzsche, sprächen eine deutliche Sprache – und ließen die Region Fulda nahezu chancenlos zurück.
Seit dem Start des LOEWE-Programms im Jahr 2008 sind nach Angaben der FDP Fulda rund 988 Millionen Euro an Fördermitteln in Hessen vergeben worden. Ein erheblicher Teil davon floss in die großen Wissenschaftsstandorte des Landes. Frankfurt am Main erhielt demnach rund 401,9 Millionen Euro, Darmstadt 210,0 Millionen Euro, Gießen 155,7 Millionen Euro und Marburg 145,5 Millionen Euro. Die Region Fulda hingegen kam im gleichen Zeitraum lediglich auf 0,6 Millionen Euro – und das nicht als eigenständiger Projektträger, sondern ausschließlich als Projektpartner.
Auf Fulda entfällt damit weniger als ein Prozent der gesamten LOEWE-Fördersumme. „Damit liegt unsere Region faktisch außerhalb der hessischen Forschungsförderung“, sagt Klotzsche. Wer sich die Zahlen ansehe, erkenne sofort ein klares Muster: Die Landesmittel konzentrierten sich immer wieder auf dieselben Städte, während Osthessen dauerhaft außen vor bleibe.
Aus Sicht des FDP-Kreisvorsitzenden ist das Verhältnis inzwischen „völlig aus dem Gleichgewicht geraten“. Während Frankfurt allein mehr als 400 Millionen Euro aus dem LOEWE-Programm erhalte, liege Fulda bei gerade einmal 0,6 Millionen Euro. Das sei kein gradueller Unterschied, sondern eine strukturelle Benachteiligung, die sich langfristig auf die Innovationskraft und die wirtschaftliche Entwicklung der Region auswirke. Es sei daher kein Zufall, dass Fulda bei Patentanmeldungen und Startup-Gründungen im unteren Bereich der Statistik rangiere oder sogar die rote Laterne trage. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise, in der auch in der Region Fulda Produktionsstätten geschlossen würden und Industrie abwandere, sei es entscheidend, mit neuen Technologien und innovativen Produkten gegenzusteuern.
Nach Einschätzung der FDP Fulda liegt die Ursache nicht in fehlender Leistungsfähigkeit vor Ort, sondern in der Förderlogik des LOEWE-Programms selbst. Dieses setze in erster Linie auf große Universitäten und außeruniversitäre Forschungsinstitute. Regionen, die über solche Strukturen nicht verfügen, hätten von Beginn an deutlich schlechtere Chancen. „Ohne Universität und ohne größere Forschungsinstitute kann man im aktuellen System kaum gewinnen“, sagt Klotzsche. Das sei politisch entweder so gewollt oder werde zumindest seit Jahren hingenommen.
Die FDP Fulda fordert deshalb eine gezielte Strukturförderung für wissenschaftlich schwächere Regionen. Zudem brauche Osthessen ein wirtschaftsnahes Forschungs- und Transferzentrum, idealerweise in Verbindung mit einem Gründerzentrum. Ziel seien bessere Startbedingungen, wie sie in anderen hessischen Regionen bereits vorhanden seien. Die LOEWE-Förderrichtlinien müssten aus Sicht der FDP so weiterentwickelt werden, dass nicht nur bestehende Zentren weiter gestärkt würden, sondern auch neue Standorte reale Chancen auf Förderung erhielten.
„Wenn es die Landesregierung mit gleichwertigen Lebensverhältnissen ernst meint, dann muss das auch für Wissenschaft und Innovation gelten“, sagt Klotzsche abschließend. Andernfalls bleibe Fulda dauerhaft in der Rolle des Zuschauers, während andere Städte ihre Vorsprünge Jahr für Jahr weiter ausbauten. +++ adm










