Gasherd1

Katherina Reiche will mehr Gasförderung und neue Energiequellen für Deutschland

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt auf eine Ausweitung der Gasförderung in Deutschland und neue Energieimporte aus dem Ausland. Die CDU-Politikerin plädiert angesichts geopolitischer Unsicherheiten für eine stärkere Nutzung heimischer Ressourcen, verteidigt zugleich die geplante Reform des Heizungsgesetzes und kündigt neue Optionen für Verbraucher an.

Deutschland verfüge über eigene Gasreserven, erklärte Reiche in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Entscheidend sei jedoch, ob eine Förderung wirtschaftlich sinnvoll möglich sei. Gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten müsse darüber gesprochen werden, betonte die Ministerin. Dabei sei eine sensible Abwägung zwischen Umweltinteressen und der Sicherung der Rohstoffversorgung notwendig – beide Anliegen seien berechtigt.

Reiche verwies in diesem Zusammenhang auf ein Gasprojekt der Niederlande in der Nordsee, das von deutscher Seite ermöglicht worden sei. Sie sprach sich dafür aus, vergleichbare Vorhaben auch in Deutschland zu prüfen. Es sei auf Dauer nicht tragfähig, unpopuläre Maßnahmen in Nachbarländer auszulagern, erklärte sie mit Blick auf den Meeresschutz und die Energieversorgung.

Trotz zuletzt vergleichsweise leerer Gasspeicher sieht die Ministerin keine Versorgungsengpässe. Deutschland habe seine Energieversorgung breiter aufgestellt, etwa durch Gasspeicher, Flüssiggasterminals und langfristige Lieferverträge. Die Märkte seien derzeit stabil. Zugleich lobte sie die Vereinigten Staaten als verlässlichen Lieferanten von Flüssiggas, auch während einer Kältewelle im vergangenen Winter. Dennoch unterstütze die Bundesregierung deutsche Unternehmen dabei, ihre Gasimporte weiter zu diversifizieren.

Ein möglicher Baustein künftiger Energieversorgung könnte nach Reiches Vorstellungen auch Biomethan aus dem Ausland sein. Die Ministerin kündigte an, Biogasimporte aus der Ukraine prüfen zu wollen. Das Land biete große Mengen an, erklärte sie. Noch gebe es regulatorische Hürden auf Seiten der Ukraine und der Europäischen Union, doch bei deren Lösung seien erhebliche Importmengen denkbar.

Auch in der Debatte um das neue Heizungsgesetz wies Reiche Kritik zurück. Ziel sei es, Verbraucher bei Investitionsentscheidungen zu unterstützen und ihnen die Angst vor finanzieller Überforderung zu nehmen. In vielen Fällen werde eine Wärmepumpe die bevorzugte Lösung sein, erklärte sie. Wo dies nicht möglich sei, könnten jedoch auch neue Gasthermen eingesetzt werden, die ihrer Ansicht nach ebenfalls zur CO₂-Einsparung beitragen könnten.

Ein Modell zur Beimischung sogenannter „grüner Gase“ soll bis zum Sommer entwickelt werden. Die Bundesregierung plant, den Gesetzentwurf für die Reform des Heizungsgesetzes bis Ostern im Kabinett zu verabschieden; das Gesetz soll am 1. Juli in Kraft treten.

Zu möglichen Mehrkosten für Eigentümer und Mieter äußerte sich Reiche zurückhaltend. Vertragsmodelle seien individuell ausgestaltet, verwies sie auf bereits bestehende Angebote am Markt. Der Emissionshandel werde fossile Brennstoffe zwar verteuern, zugleich wolle die Regierung künftig nicht mehr unmittelbar in die Entscheidung über Heizsysteme eingreifen. Stattdessen solle die Wahl wieder stärker bei Hausbesitzern und Vermietern liegen. Neben Wärmepumpen kämen daher auch moderne Gasheizungen, Hybridsysteme oder Pelletheizungen infrage.

Auf die Frage nach dem Schutz von Mietern vor steigenden Nebenkosten argumentierte Reiche, der Verzicht auf einen Heizungstausch sei für Mieter langfristig am teuersten. Alte Anlagen mit hohem Gas- oder Ölverbrauch verursachten besonders hohe Kosten – ein Zustand, der aus ihrer Sicht nicht im Interesse der Verbraucher liege.

Deutschland verfügt über umfangreiche Schiefergasvorkommen, deren Förderung durch die umstrittene Fracking-Methode jedoch seit 2017 verboten ist. Nach einem Klimagutachten des Internationaler Gerichtshof aus dem Jahr 2025 kann die Vergabe von Förderlizenzen für fossile Brennstoffe zudem unter Umständen als völkerrechtswidrig bewertet werden. +++ red.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Banner 2 336 l

336 15pt