Rückendeckung für CDU-Chef Friedrich Merz in der hitzigen Debatte um den hohen Krankenstand in Deutschland: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stellt sich klar hinter seine Aussagen. „Merz hat völlig recht“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen dem „Tagesspiegel“ – und spart nicht mit deutlichen Worten.
Besonders die telefonische Krankschreibung steht für Gassen am Pranger. „Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lädt natürlich zum Missbrauch ein. Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht“, kritisierte er. Merz hatte zuvor bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg erklärt, Beschäftigte kämen im Schnitt auf 14,5 Krankentage – aus seiner Sicht eindeutig zu viel.
In diesem Zusammenhang stellte Merz auch das System der elektronischen Krankschreibung infrage. Dafür erntete er scharfe Kritik von Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Im „Tagesspiegel“ warf Lauterbach Merz eine „Gängelung der Kranken“ vor und warnte zudem davor, dass die niedergelassenen Ärzte überlastet würden, sollte die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.
KBV-Chef Gassen hält dagegen und weist Lauterbachs Einwände entschieden zurück. „Die Telefon-AU gehört abgeschafft, und die Pflicht zur AU in den ersten drei Tagen gleich mit. Dann sind Missbrauchspotenziale minimiert, und die Praxen werden wirklich entlastet“, sagte Gassen. Er machte zugleich deutlich, wie groß das Problem aus seiner Sicht ist: „Diese Bagatell-AUs verursachen jährlich rund 27 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte, die medizinisch unnötig sind.“
Statt kleiner Korrekturen fordert Gassen eine grundlegende Reform des Systems. „Die ersten drei Krankheitstage sollten arbeitsvertraglich geregelt werden – wie es viele andere Länder tun“, erklärte er. Er sprach sich offen für Karenztage oder Bonussysteme aus. Zugleich betonte er: „Die Lohnfortzahlung im echten Krankheitsfall bleibt bestehen, sie ist auch wichtig, wenn Menschen wirklich krank sind. Aber sie war nie für leichte Erkältungen oder morgendliche Kopfschmerzen gedacht.“ +++ adm










