Der Bund Deutscher Karneval (BDK) schlägt Alarm und fordert von der Politik deutlich mehr Unterstützung bei der Terrorabwehr von Karnevalsumzügen. BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess warnt eindringlich davor, dass viele Vereine andernfalls organisatorisch und finanziell an ihre Grenzen geraten könnten.
Die Belastungen für die Karnevalsgesellschaften, die meist ehrenamtlich getragen werden, seien in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Maßnahmen zur Terrorabwehr, etwa das Absichern von Seitengassen, sollten nach Ansicht von Fess vom Staat getragen werden. Das sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Wenn die Länder dafür keine Mittel einstellen, versuchten Kommunen jedoch, die entstehenden Kosten an die Veranstalter weiterzugeben, kritisierte der Präsident des Dachverbands der deutschen Karnevalsvereine.
Besonders hart treffe diese Entwicklung kleine, dörflich geprägte Umzüge, die dadurch finanziell überfordert würden. Sponsorengelder und Spenden seien rückläufig, und die Mitgliedsbeiträge allein reichten oft nicht aus, um die immer aufwendigeren Sicherheitskonzepte zu finanzieren, so Fess weiter. Ein Niedergang des Karnevals könne jedoch weder aus kultureller noch aus wirtschaftlicher Sicht im Sinne des Staates sein. Denn Fasching, Fastnacht und Karneval sorgen laut dem BDK-Präsidenten bundesweit für mehr als 2,4 Milliarden Euro Umsatz in Hotellerie, Gastronomie, Verkehr und Handwerk. +++












Ein Kommentar
Was hier gerade passiert, ist brandgefährlich – und zwar nicht nur für Kamelle und Konfetti. Wenn der Staat den Karnevalsvereinen die Kosten für Terrorabwehr und Sicherheitskonzepte aufbürdet, dann spart er am völlig falschen Ende. Karneval ist keine private Gartenparty, sondern ein kulturelles Großereignis mit Millionenpublikum, wirtschaftlicher Wucht und jahrhundertealter Tradition. Wer ernsthaft glaubt, ehrenamtlich geführte Vereine könnten Poller, Straßensperren und Sicherheitsdienste mal eben aus der Portokasse zahlen, hat den Kontakt zur Realität verloren.
Besonders die kleinen Umzüge auf dem Land drohen unterzugehen – nicht, weil den Menschen die Lust am Feiern vergeht, sondern weil die Rechnungen nicht mehr aufgehen. Wenn Sponsoren abspringen, Spenden ausbleiben und Mitgliedsbeiträge längst ausgereizt sind, bleibt am Ende nur die bittere Entscheidung: Umzug absagen oder sich verschulden. Beides kann nicht die Lösung sein. Sicherheit ist eine staatliche Aufgabe, Punkt. Wer mehr Schutz fordert – und das zu Recht –, muss auch bereit sein, ihn zu finanzieren.
Der Karneval ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wirtschaftsmotor. Milliarden fließen jedes Jahr in Hotels, Kneipen, Busse und Handwerksbetriebe. Wer diesen Motor abwürgt, schadet nicht nur der Brauchtumspflege, sondern auch ganzen Regionen. Politik, die den Karneval im Regen stehen lässt, riskiert mehr als ein paar leere Straßen an Rosenmontag. Sie riskiert den Verlust eines Stücks lebendiger Kultur – und das wäre wirklich kein Grund zum Lachen.