Nachdem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärt hat, während des großflächigen Berliner Stromausfalls Tennis gespielt zu haben, sieht er sich scharfer Kritik von Grünen und AfD ausgesetzt. Vor allem die Frage, ob Wegner in der Krise seiner Verantwortung gerecht geworden ist, steht im Mittelpunkt der Debatte.
„Er erfüllt nicht die Kriterien, die aus meiner Sicht ein Regierender haben sollte“, sagte Werner Graf, der gemeinsam mit Bettina Jarasch das Grünen-Spitzenkandidatenduo für die Berlinwahl bildet, dem TV-Sender „Welt“ am Mittwoch. „Ich bin ziemlich fassungslos, muss ich wirklich sagen.“ Graf erklärte, Wegner habe bereits um 8 Uhr davon erfahren, dass sich Berlin in einer der größten Krisen der vergangenen Jahre befinde. „45.000 Haushalte waren ohne Strom, in dieser Eiseskälte. Wir wissen jetzt, dass sogar eine Person gestorben ist“, behauptete Graf. In einer solchen Situation erwarte er, dass sich ein Regierender Bürgermeister „ins Büro einsperrt und sich um diese Krise kümmert“. Dass im Nachhinein bekannt geworden sei, Wegner habe stattdessen Tennis gespielt, entspreche aus seiner Sicht nicht den Anforderungen an das Amt.
Nach Ansicht Grafs habe Wegner beim Krisenmanagement insgesamt einiges falsch gemacht. Der CDU-Politiker erfülle nicht die Kriterien, die die Berlinerinnen und Berliner an das Amt des Regierenden Bürgermeisters stellten. Man müsse feststellen, dass sehr viele eklatante Fehler gemacht worden seien. Hinzu komme, dass Berlin bereits vor vier Monaten einen ähnlichen Anschlag auf das Stromnetz erlebt habe. „Und wir aus diesen Fehlern, die da gemacht worden sind, anscheinend nichts gelernt haben“, sagte Graf. Bedrohungen der Sicherheit durch „extremistische Menschen von links und rechts“ würden offenbar nicht ernst genug genommen, „und dann lieber Tennisspielen gegangen“.
Auch von der AfD kommt scharfe Kritik. Die Berliner AfD-Landeschefin und Spitzenkandidatin für die Wahl des Abgeordnetenhauses, Kristin Brinker, forderte als Konsequenz den Rücktritt Wegners. „Es ist ehrlicherweise fatal“, sagte sie ebenfalls dem TV-Sender „Welt“. Zwar könne man nachvollziehen, dass jemand mit viel Verantwortung auch einmal eine Auszeit brauche. „Aber dass man in so einer Lage die Situation nicht richtig einschätzt und dann auch die gesamte Öffentlichkeit, wirklich die gesamte Öffentlichkeit belügt, das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus“, so Brinker.
Das könne aus ihrer Sicht nur eine Konsequenz haben. „Und die heißt: Rücktritt. Sofort“, sagte Brinker. „Alles andere wäre schädlich fürs Amt.“ Zudem sei Wegner am Sonntag aus Sicht der AfD „viel zu spät in die Gänge gekommen“ und habe die Situation und Gefahrenlage zu spät wahrgenommen.
Wegner selbst verteidigte sein Verhalten. „Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“, sagte er „Welt“. Er sei währenddessen jederzeit erreichbar gewesen, auch auf dem Tennisplatz habe sein Handy auf laut gestellt bereitgelegen. Danach sei er sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.
Der Regierende Bürgermeister erklärte, er sei am Samstag um 08:07 Uhr von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) persönlich über einen Brand mit gravierenden Auswirkungen informiert worden. „Die ersten Zahlen waren 19.000 Haushalte. Das ging dann Schritt für Schritt hoch. Es war auch nicht gleich klar, dass es ein Anschlag war, logischerweise“, sagte Wegner. „Ich hatte aber gleich ein komisches Gefühl.“ Er habe sofort telefoniert, geprüft, ob die Strukturen funktionierten und ob die Krisenstäbe anliefen.
In Bezug auf das Tennisspiel wollte Wegner nicht von einem Fehler sprechen und verwies auf seinen Einsatz im Büro. „Ich habe in der Tat um 8:08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen“, sagte er. Er habe mit den Krisenstäben, dem Stromnetzbetreiber und vor allem mit der Bundesregierung gesprochen, unter anderem mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenminister. Zudem habe er die Voraussetzungen dafür geschaffen, „dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen“.
Wegner setzt auf Verständnis bei den Berlinerinnen und Berlinern. Er glaube, die Menschen in den betroffenen Gebieten seien vor allem froh, dass der Strom anderthalb Tage vor der ursprünglichen Ankündigung wieder da gewesen sei. „Und wenn ich eine Stunde Sport mache, um den Kopf freizukriegen zwischen 13 und 14 Uhr, wo ich vorher gearbeitet habe und direkt im Anschluss auch, und in der Zeit erreichbar war, ich glaube, dann ist das okay“, sagte er. Entscheidend sei, dass die Krise bewältigt worden sei und die Menschen wieder Strom und Wärme hätten.
Grundsätzlich hält Wegner es auch nicht für einen Fehler, nicht sofort vor Ort gewesen zu sein. „Wenn ich vor Ort gewesen wäre, hätte ich die Gespräche mit dem Kanzleramt, mit dem Bundesinnenminister, viele andere Gespräche nicht führen können“, sagte er. Deshalb sei sein Vorgehen richtig gewesen. Bereits am Samstag habe er entschieden, am Sonntag vor Ort zu sein. „Ich glaube, das war der richtige Weg. Ich würde es ehrlicherweise jederzeit wieder so machen“, sagte Wegner. Gerade als Regierender Bürgermeister habe man in einer solchen Krise die Aufgabe, zu koordinieren, zu steuern und zu prüfen, wo noch Hilfe benötigt werde und was fehle. +++ adm










