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Ist Trump noch tragbar für die Weltgemeinschaft?

Ist Donald Trump noch tragbar für die Weltgemeinschaft? Die Frage wirkt provokant, ist aber längst keine Randnotiz mehr der internationalen Politik. Sie berührt den Kern dessen, was globale Zusammenarbeit heute leisten muss – und wo sie an ihre Grenzen stößt. Die nüchterne Antwort fällt differenziert aus: Die Weltgemeinschaft könnte ohne Trump bestehen. Umgekehrt aber gilt das nur sehr eingeschränkt.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang überhaupt „tragbar“? Für die internationale Gemeinschaft heißt das vor allem Verlässlichkeit: in Bündnissen wie der NATO, in multilateralen Abkommen, im Respekt vor gemeinsam gesetzten Regeln. Genau hier lagen die Schwächen der Trump-Politik offen zutage. Austritte aus internationalen Verträgen, ein demonstrativer Druck auf Verbündete und eine strikt transaktionale Außenpolitik haben Zusammenarbeit nicht unmöglich gemacht, aber deutlich konfliktreicher. Vertrauen, das über Jahrzehnte gewachsen war, wurde zur Verhandlungsmasse.

Gleichzeitig hält sich hartnäckig die Vorstellung, die USA könnten sich unter einem „America First“-Präsidenten aus der Welt zurückziehen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Doch diese Vorstellung ignoriert die Realität globaler Verflechtung. Die Vereinigten Staaten sind strukturell eingebunden: durch Handel, durch Finanzmärkte, durch militärische Bündnisse, durch technologische Abhängigkeiten. Trump hat diese Abhängigkeiten rhetorisch immer wieder geleugnet, praktisch aber nie aufheben können. Auch seine Politik blieb gefangen im Netz internationaler Kooperation, selbst wenn sie diese offen infrage stellte.

Daraus folgt die nächste Frage: Lässt sich ein Präsident wie Trump durch die Weltgemeinschaft „zurechtrücken“? Die Antwort ist ernüchternd. Staaten reagieren nicht auf moralische Belehrungen, sondern auf Macht und Interessen. Wirtschaftlicher oder diplomatischer Gegendruck kann wirken, er kann aber ebenso Trotz erzeugen und Eskalationen befördern. Entscheidend ist etwas anderes: Die wirksamsten Begrenzungen für einen Präsidenten wie Trump liegen nicht außerhalb der USA, sondern innerhalb – bei Wählern, Gerichten und institutionellen Checks and Balances.

Warum aber bleibt Trump trotz all dieser Defizite politisch relevant? Weil er reale gesellschaftliche Strömungen verkörpert. Misstrauen gegenüber Globalisierung, Ablehnung politischer Eliten, der Wunsch nach nationaler Kontrolle – all das existiert unabhängig von seiner Person. Trump ist weniger die Ursache dieser Entwicklungen als ihr Symptom. Wer glaubt, mit seinem Verschwinden seien diese Konflikte gelöst, verkennt die Tiefe der politischen Brüche in westlichen Demokratien.

Am Ende bleibt ein ambivalentes Fazit. Für viele internationale Partner ist Trump nur eingeschränkt tragbar. Die Welt bricht ohne ihn nicht zusammen, seine Ersetzbarkeit steht außer Frage. Doch unabhängig von seiner Person gilt ebenso: Auch ein Präsident Trump kann nicht ohne internationale Kooperation existieren. Die Welt braucht Trump nicht – aber sie muss lernen, mit jener politischen Realität umzugehen, die ihn überhaupt erst möglich gemacht hat. +++ redaktion ohr

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