Es sind Sätze, die in diesen Tagen häufiger fallen: Sichtbarkeit schaffen, Räume öffnen, Perspektiven erweitern. Hinter ihnen steht ein Programm, das in seiner Breite kaum zu übersehen war. Die 36. Fuldaer Frauenwoche hat zwischen dem 6. und 15. März mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angezogen – verteilt auf rund 50 Veranstaltungen, die sich über die Stadt legten wie ein dichtes Netz aus Diskussion, Kultur und Begegnung.
Das Motto „Sag mir, wo die Frauen sind“ wirkte dabei weniger wie eine Frage als wie eine Aufforderung. Und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: in Vortragsräumen, auf Straßen, in Kinosälen, bei Workshops und Führungen. Organisiert vom Frauenbüro der Stadt Fulda gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern, entstand ein Programm, das bewusst auf Vielfalt setzte – und genau daraus seine Kraft zog.
Der Auftakt im Fürstensaal des Stadtschlosses wirkte entsprechend programmatisch. Kristin Henke sprach über „Accelerate Visibility“, über Strategien, die eigene Kompetenz nicht nur zu besitzen, sondern auch zu zeigen. Es ging um Wirkung, um Präsenz, um das bewusste Platznehmen in gesellschaftlichen und beruflichen Kontexten. Musikalisch begleitet vom Duo lézarde, bekam der Abend eine Leichtigkeit, die den inhaltlichen Anspruch nicht minderte. Bereits am Tag zuvor hatte Paulina Hauser mit ihrem Vortrag zu Menschenrechtsverletzungen an Frauen einen ernsteren Ton gesetzt – sozialethisch fundiert, mit Blick auf aktuelle Entwicklungen.
Seinen sichtbarsten Moment fand die Frauenwoche am 8. März. Auf dem Universitätsplatz versammelten sich mehr als 200 Menschen zur Kundgebung anlässlich des Internationalen Frauentags. Es ging um Diskriminierung, um soziale Ungleichheit, um Gewalt – Themen, die nicht neu sind, aber immer wieder neu verhandelt werden müssen. Der anschließende Demonstrationszug durch die Innenstadt machte aus Worten Bewegung. Im Kino setzte sich der Abend fort, mit dem Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“, der den isländischen Frauenstreik von 1975 in Erinnerung rief – ein historischer Moment, der bis heute nachwirkt.
Der folgende Tag brachte das Politische zurück in den Alltag. „Frauen, Politik und Frühstück“ lautete das Motto im Hafen Lutherkirche – ein Format, das Austausch niedrigschwellig möglich macht. Parallel dazu ging es um berufliche Perspektiven und psychische Gesundheit. Die Bandbreite zeigt sich gerade in diesen Kombinationen: Existenzgründung und Mental Health, Information und persönlicher Austausch.
Überhaupt zog sich das Thema Arbeit wie ein roter Faden durch das Programm. Ob bei der individuellen Beratung zum Wiedereinstieg ins Berufsleben oder beim Akademieabend „Schön, aber bitte nicht zu sehr?“ – immer wieder wurde sichtbar, wie sehr äußere Wahrnehmung, Karrierechancen und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verwoben sind.
Ein besonders prägnantes Bild lieferte die Ausstellung „Frauen schaffen Zukunft“ im Hauptgebäude der RhönEnergie Fulda. Lebensgroße Porträts von Frauen aus unterschiedlichen Unternehmen machten sichtbar, was oft im Hintergrund bleibt: ihre Rolle, ihre Leistung, ihre Präsenz in verschiedensten Berufsfeldern.
Auch der Blick in die Geschichte fehlte nicht. Stadtführungen führten zu Figuren wie Merga Bien oder der Türmerin, literarische Spaziergänge öffneten andere Perspektiven auf die Stadt. Die „Blauen Bänke“ wurden ebenso thematisiert wie die Pionierinnen von Loheland und ihre architektonischen Spuren. Es ist diese Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart, die den Blick schärft.
Kulturell zeigte sich die Frauenwoche ebenso vielstimmig. Lesungen, Theater, Improvisation, Film und Musik schufen Räume, in denen Themen anders verhandelt werden konnten – oft leiser, manchmal zugespitzt, immer mit eigener Handschrift. Ob bei literarischen Programmen, beim FemSlam oder auf der Bühne des Backstage Liveclubs: Die Auseinandersetzung blieb lebendig.
Dazu kamen Angebote, die bewusst auf Körper und Gemeinschaft zielten. Workshops zur Ernährung, Sportkurse, Frauenfrühstücke – Formate, die Austausch ermöglichen, ohne ihn zu erzwingen. Der Abschluss mit dem Tanzabend der AWO setzte schließlich auf Rhythmus statt auf Worte.
Am Ende steht eine Bilanz, die eindeutig ausfällt. Katharina Roßbach, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fulda, spricht von Vielfalt als zentralem Element. Unterschiedliche Formate hätten Räume geschaffen – für Begegnung, für Diskussion, für neue Perspektiven. Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: dass Sichtbarkeit hier nicht als abstrakter Begriff verhandelt wurde, sondern konkret erfahrbar war.
Die Frauenwoche hat gezeigt, wie groß das Interesse ist – an Austausch, an Information, an kulturellen Angeboten rund um Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe. Oder anders gesagt: Die Frage, wo die Frauen sind, wurde in diesen Tagen vielfach beantwortet. Man musste nur hinschauen. +++ red.














