Dieses Feuer ist mehr als ein lokales Unglück. Der Großbrand im Darmstädter Forschungszentrum für Schwerionenforschung (GSI) ist ein tiefer Einschnitt – für die Region, für die deutsche Wissenschaft und für ein internationales Milliardenprojekt, das nun jäh ausgebremst wird. Mehr als 24 Stunden dauerten die Löscharbeiten, sie waren kompliziert, kräfteraubend und verlangten den Einsatzkräften alles ab. Erst danach konnten die Flammen endgültig gelöscht werden. Zurück bleibt ein gewaltiger Schaden, dessen Ausmaß noch immer nicht beziffert werden kann – und eine unbequeme Frage: Wie verletzlich ist ein Forschungsstandort, der zur Weltspitze gehören will?
Schon die ersten Reaktionen machten deutlich, wie schwer dieser Brand wiegt. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft sprach offen von einem „Rückschlag für den Forschungsstandort Deutschland und nicht zuletzt für die internationale Wissenschaftscommunity“. Klare Worte, die sitzen. Denn im Teilchenbeschleuniger des GSI ist derzeit kein Experimentierbetrieb möglich. Hochkomplexe Forschung, jahrelange Vorbereitung, internationale Kooperationen – all das steht nun still oder muss verschoben werden. Besonders bitter: Auch ein geplanter Probelauf des neuen Teilchenbeschleunigers FAIR dürfte sich verzögern. Für ein Projekt, das als Leuchtturm deutscher Spitzenforschung gilt, ist das ein herber Schlag.
Gleichzeitig zeigt dieser Brand aber auch eine andere, ebenso wichtige Seite: die enorme Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte. Seit etwa 6.30 Uhr am Morgen kämpften Feuerwehrleute gegen das Feuer in einem Industriegebäude auf dem Gelände des GSI. Mit massiven Kräften, unter schwierigen Bedingungen, stundenlang. Rund 200 Einsatzkräfte waren im Verlauf des Tages im Einsatz, viele von ihnen seit den frühen Morgenstunden. Feuerwehrleute aus der Region, aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau, aus Seeheim, Weiterstadt, Offenbach und Hanau, dazu mehrere Werkfeuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz und technische Unterstützung wie der Hanauer Löschroboter, der besonders im Inneren des Gebäudes unverzichtbar war.
Dass Hessens Innenminister Roman Poseck am Freitagabend selbst nach Darmstadt kam, war mehr als ein Pflichttermin. Nach einer Rede im Hessischen Landtag machte er sich gegen 20 Uhr vor Ort ein Bild von der Lage – und fand klare Worte des Dankes. Der Brand sei weitgehend unter Kontrolle gewesen, sagte Poseck, doch die Nachlöscharbeiten seien aufwendig und fordernd geblieben. Nur dem schnellen, umsichtigen Handeln der Einsatzkräfte sei es zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert wurde. Messungen ergaben keine Gefahrstoffe, zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für die Bevölkerung. Und vor allem: Es gab keine Verletzten. Angesichts der Dimension des Brandes ist das alles andere als selbstverständlich.
Poseck nannte die Auswirkungen des Feuers verheerend – für den Wissenschaftsstandort Darmstadt und darüber hinaus. Gleichzeitig lobte er die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten. Hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehrleute, Werkfeuerwehren, Hilfsorganisationen wie DRK und THW sowie die Polizei hätten mit hoher Professionalität, großem Engagement und persönlichem Einsatz gehandelt. Besonders würdigte der Innenminister auch die Einsatzleiterin der Berufsfeuerwehr Darmstadt, von deren hervorragender Arbeit er sich persönlich überzeugt habe.
Dieser Einsatz zeigt, was möglich ist, wenn es darauf ankommt. Er ist ein Beispiel für Schlagkraft, Solidarität und Leistungsfähigkeit der Blaulichtorganisationen. Doch er ist auch eine Mahnung. Ein Brand, der ein internationales Forschungsprojekt um Jahre zurückwerfen kann, darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wenn Deutschland den Anspruch erhebt, ein führender Wissenschaftsstandort zu sein, dann muss der Schutz dieser Einrichtungen, ihrer Infrastruktur und ihrer Projekte höchste Priorität haben.
Der Großbrand im GSI ist ein Weckruf. Für Politik, für Wissenschaftsorganisationen, für Verantwortliche auf allen Ebenen. Dank und Respekt für die Einsatzkräfte sind mehr als verdient. Doch jetzt braucht es auch Konsequenzen – damit ein solches Feuer nicht nur gelöscht wird, sondern seine Lehren dauerhaft Wirkung zeigen. +++











