Donald Trump wollte Grönland kaufen. Das klang zunächst wie eine schrille Randnotiz aus der politischen Unterhaltungsindustrie. Doch der Vorstoß war mehr als eine Provokation, er war eine Machtdemonstration. Und genau deshalb darf Europa diese Episode nicht als Kuriosum abtun. Denn die entscheidende Frage ist geblieben: Was passiert, wenn wir nachgeben?
Die Antwort ist einfach – und sie ist gefährlich. Dann geben wir weit mehr auf als eine Insel.
Grönland ist kein herrenloses Eisfeld und schon gar kein geopolitisches Sonderangebot. Es ist ein autonomes Land mit eigener Bevölkerung, eigener Kultur und einem klar verankerten Recht auf Selbstbestimmung. Wer glaubt, Dänemark, die Europäische Union oder Europa insgesamt könnten hier „entgegenkommen“, verkennt das Fundament der modernen internationalen Ordnung. Souveränität ist kein Verhandlungschip. Sie ist nicht teilbar, nicht verkäuflich und nicht verfügbar für machtpolitische Fantasien.
Wer sie dennoch zur Disposition stellt, öffnet die Tür für eine Politik, die Europa eigentlich überwunden glaubte: Einflusszonen statt Regeln, Deals über Köpfe hinweg, Macht statt Recht. Eine Politik, deren Folgen dieser Kontinent besser kennt als jeder andere.
Natürlich ist Grönland strategisch wichtig. Militärisch, wirtschaftlich, klimapolitisch. Und natürlich sind die Vereinigten Staaten ein zentraler Partner Europas. Doch genau hier liegt die gefährlichste Versuchung: der Glaube, man müsse aus Pragmatismus nachgeben, um Schlimmeres zu verhindern. Diese Logik ist trügerisch. Wer Druck belohnt, erzeugt neuen Druck. Wer einmal nachgibt, wird erneut getestet. Heute Grönland – morgen was?
Der Fehler wäre, Trumps Idee als persönliche Schrulle abzutun. Sie steht für eine Denkweise, die wieder an Einfluss gewonnen hat: Was nützt mir das? Was kann ich mir nehmen? Europa muss darauf nicht mit moralischer Empörung reagieren, sondern mit Klarheit. Nicht antiamerikanisch, sondern selbstbewusst. Kooperation ja, Unterordnung nein.
Die USA sind bereits präsent in Grönland. Sie haben militärischen Zugang, Einfluss und vertraglich geregelte Partnerschaften. Besitz brauchen sie nicht, Kontrolle erst recht nicht. Wer dennoch darüber spricht, verschiebt die Maßstäbe – und schwächt die eigene Position.
Auffällig ist, wessen Stimme in dieser Debatte zu selten gehört wird: die der Grönländer selbst. Viele von ihnen streben nach mehr Eigenständigkeit, nicht nach einem Wechsel der Oberhoheit. Wer Grönland „verhandelt“, ignoriert genau jene Prinzipien, die der Westen sonst gerne beschwört: Demokratie, Selbstbestimmung, Beteiligung der Betroffenen. Das ist nicht nur heuchlerisch, es ist strategisch kurzsichtig.
Wenn Europa in der Arktis ernst genommen werden will, muss es jetzt Haltung zeigen. Keine Geheimdeals, keine stillen Zugeständnisse, kein Wegducken hinter wohlklingenden Bündnisformeln. Die Botschaft muss klar und unmissverständlich sein: Grenzen sind keine Angebote. Völker sind keine Objekte. Europa ist kein Zuschauer seiner eigenen geopolitischen Marginalisierung.
Grönland ist kein Testfall für europäische Flexibilität, sondern für europäische Standfestigkeit. Wer hier nachgibt, demonstriert keine Vernunft, sondern Schwäche. Europa kann kooperieren, investieren, schützen. Aber es darf eines nicht tun: verkaufen, was ihm nicht gehört – und was niemand verkaufen will. +++ redaktion ohr











Ein Kommentar
Genau heute Grönland – und morgen wer oder was? Man darf Trump nicht nachgeben. Sein Handeln unterscheidet sich kaum von dem Putins.