Während viele Unternehmen über Auftragsmangel, steigende Kosten und eine schwache Konjunktur klagen, klingeln in den hessischen Rathäusern die Kassen so laut wie nie zuvor. Trotz der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Lage haben die Kommunen im Jahr 2025 ein Rekordergebnis bei der Gewerbesteuer erzielt. Nach vorläufigen Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamts belief sich das landesweite Aufkommen auf rund 7,8 Milliarden Euro – ein Plus von 3,1 Prozent oder 234,0 Millionen Euro gegenüber 2024.
Auffällig ist dabei der Zeitpunkt, zu dem das Geld floss. Wie schon im Vorjahr kam der Großteil der Einnahmen im zweiten Halbjahr zusammen. Zwischen Juli und Dezember 2025 nahmen die Kommunen rund 4,2 Milliarden Euro ein, während im ersten Halbjahr lediglich 3,6 Milliarden Euro verbucht wurden. Warum die Zahlungen sich erneut so stark auf das Jahresende konzentrieren, bleibt offen – und wirft Fragen nach Sondereffekten, Nachzahlungen oder zeitlichen Verschiebungen auf.
Auch der Blick auf die durchschnittlichen Einnahmen zeigt eine positive Entwicklung. Der Median der Gewerbesteuereinnahmen aller hessischen Kommunen lag 2025 bei rund 3,6 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 4,5 Prozent beziehungsweise etwa 0,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten 55,3 Prozent der Kommunen steigende Einnahmen verzeichnen. Doch während die Statistik nach oben zeigt, bleibt unklar, ob dieser Anstieg auf nachhaltigem Wachstum beruht oder ob einzelne Großzahler das Bild verzerren.
Besonders deutlich wird dies am Beispiel Frankfurt am Main. Die Finanzmetropole erzielte mit rund 3,2 Milliarden Euro erneut das mit Abstand höchste Gewerbesteueraufkommen in Hessen und markierte damit einen neuen Höchststand. Gegenüber 2024 legten die Einnahmen um 100,3 Millionen Euro beziehungsweise 3,3 Prozent zu. Frankfurt verzeichnete damit das zweitgrößte absolute Plus aller Kommunen – und unterstreicht einmal mehr seine dominante Rolle im hessischen Steuergefüge.
Noch spektakulärer fallen die Zahlen in kleineren Städten aus. Das größte prozentuale und absolute Plus meldete Battenberg (Eder). Dort stiegen die Gewerbesteuereinnahmen um 104,4 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 1.630,4 Prozent entspricht. Auch Marburg legte kräftig zu: plus 56,6 Millionen Euro oder 219,4 Prozent. Offenbach am Main verzeichnete ein Plus von 53,1 Millionen Euro, was einem Anstieg von 67,9 Prozent entsprach. Solche Sprünge werfen zwangsläufig die Frage auf, ob hier außergewöhnliche Einmaleffekte, Nachzahlungen oder einzelne Unternehmen den Ausschlag gegeben haben.
Zu den Kommunen mit den höchsten Gewerbesteuereinnahmen zählten 2025 neben Frankfurt auch die Landeshauptstadt Wiesbaden mit 508,3 Millionen Euro sowie Eschborn mit 266,9 Millionen Euro. Besonders auffällig ist der Blick auf die Pro-Kopf-Zahlen: Battenberg (Eder) kam auf 20.377 Euro je Einwohner, Eschborn auf 11.869 Euro und Sulzbach im Taunus auf 4.815 Euro pro Kopf. Solche Werte liegen weit über dem Landesdurchschnitt und lassen erahnen, wie stark einzelne Kommunen von wenigen Steuerzahlern abhängig sein können.
Der Rekord bei der Gewerbesteuer wirft damit mehr Fragen auf, als er beantwortet. Während die Einnahmen steigen, bleibt offen, wie stabil diese Entwicklung ist – und ob sie die wirtschaftliche Realität vieler Betriebe tatsächlich widerspiegelt oder vor allem durch Sonderfaktoren, Nachholeffekte und wenige starke Standorte getragen wird. +++ adm










