Es ist eine Entscheidung mit Signalwirkung – und eine, die quer durch die politische Landschaft getragen wird. Der Magistrat der Stadt Fulda hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das besondere Vorkaufsrecht für das ehemalige Goodyear-Gelände auszuüben. Ein Schritt, der den Handlungsspielraum der Stadt erheblich erweitert – und zugleich Erwartungen weckt.
Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt den Ankauf ausdrücklich und sieht darin eine strategische Weichenstellung für die Zukunft Fuldas. Fraktionsvorsitzender Ernst Sporer macht deutlich, warum seine Fraktion den Beschluss mitträgt: In der zentral gelegenen Fläche stecke ein enormes Entwicklungspotenzial. Mit dem Erwerb habe die Stadt nun die Möglichkeit, einen der wichtigsten Standorte aktiv zu gestalten – und zwar im Sinne des Gemeinwohls.
Auch aus Sicht der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Marie-Louise Puls eröffnet das sogenannte „Gummi-Areal“ neue Perspektiven. Sie spricht von der Chance, einen Ort zu schaffen, an dem klimainnovative Industrie, nachhaltiges Gewerbe und zukunftsfähige Arbeitsplätze zusammenfinden. Zugleich mahnt sie an, die Fläche von Beginn an ganzheitlich zu denken – auch mit Blick auf mögliche Wohnnutzungen.
Doch bei aller Aufbruchsstimmung bleibt der Blick realistisch. Die Entwicklung des Geländes werde die Kommunalpolitik über Jahre hinweg beschäftigen, so Puls. Insbesondere beim Thema Altlasten sei vollständige Transparenz unerlässlich. Teile der Fläche seien bislang nicht abschließend untersucht, da sie noch versiegelt sind – ein Umstand, der bei allen weiteren Planungen berücksichtigt werden müsse.
Auch Ernst Sporer betont die langfristige Dimension der Entscheidung. Für ihn steht fest: Die „Gummi“ ist keine kurzfristige Entwicklungsfläche, sondern eine echte Zukunftsreserve für die Stadt. Entsprechend verantwortungsvoll müsse nun mit dieser Chance umgegangen werden.
Dass der Ankauf politisch früh gefordert wurde, unterstreicht die SPD. Unmittelbar nach Bekanntgabe der endgültigen Schließung habe man darauf gedrängt, dass die Stadt das Gelände übernimmt. Mit dem nun beschlossenen und nach Auskunft des Oberbürgermeisters rechtssicheren Vorkaufsrecht sieht sich die Partei bestätigt.
Für die Sozialdemokraten ist nun entscheidend, dass die Stadt auch langfristig Einfluss auf die Entwicklung des Areals behält. Dieser Anspruch müsse planungsrechtlich abgesichert werden. Im Zentrum steht dabei eine klare Priorität: die Schaffung zukunftsorientierter und nachhaltiger Arbeitsplätze. Gleichzeitig plädiert die SPD dafür, über klassische Nutzungskonzepte hinauszudenken. So sei etwa die Ansiedlung kleinteiligen Gewerbes auf Teilflächen durchaus vorstellbar.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem benachbarten Gelände des ehemaligen Parkplatzes „Am Kleegarten“. Hier, so die Erwartung der SPD, soll vor allem bezahlbarer und sozialer Wohnraum entstehen. Die Umsetzung könnte nach Vorstellung der Partei durch eine eigens zu gründende kommunale Wohnungsbaugesellschaft erfolgen.
Auch die FREIEN WÄHLER Fulda bewerten den Ankauf als historische Chance für die Stadtentwicklung. Mit dem Erwerb des gut zehn Hektar großen Areals liege es nun an den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, die Fläche im Sinne von Anrainern, Stadt und lokalen Unternehmen neu zu gestalten. Zugleich signalisieren sie Bereitschaft zur Mitarbeit: In einem künftigen Arbeitskreis wolle man sich aktiv einbringen.
Wilhelm Hartmann, frisch gewählter Vertreter in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung, stellt dafür seine Unterstützung in Aussicht. Für ihn liegt die Stärke der künftigen Entwicklung in einem ausgewogenen Konzept: „Wohnen, ruhiges Gewerbe und lokale Infrastruktur in einem gesunden Mix sehe ich als langfristigen Gewinn für Fuldas Bevölkerung.“
Mit dem Zugriff auf das Goodyear-Gelände hat sich die Stadt Fulda ein zentrales Stück Zukunft gesichert. Wie diese Zukunft konkret aussehen wird, ist noch offen – doch die Richtung ist klar umrissen: wirtschaftliche Stärke, nachhaltige Entwicklung und sozial ausgewogene Stadtplanung sollen hier zusammenfinden. +++










