Fulda greift nach Schlüsselareal – Magistrat zieht Vorkaufsrecht für Goodyear-Gelände

Gummi2

Es ist eine Entscheidung von erheblicher Tragweite – und eine, die nicht im Streit, sondern im Schulterschluss gefallen ist. Der Magistrat der Stadt Fulda hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das besondere Vorkaufsrecht für das sogenannte Goodyear-Gelände auszuüben. Zugleich soll die sofortige Vollziehung angeordnet werden. Damit zieht die Stadt die Kontrolle über ein Areal an sich, das wie kaum ein anderes für die künftige Entwicklung Fuldas steht.

Rund 16,2 Hektar umfasst das Gelände – eine Fläche, die in der gewachsenen Struktur der Stadt nicht nur groß, sondern nahezu einzigartig ist. Entsprechend geschlossen fiel das Votum im Magistrat aus: Parteigrenzen spielten keine Rolle, die Einschätzung war einhellig. Nachdem der ursprünglich vorgesehene Erwerber, die W&L logistics GmbH i.G. aus Frankfurt, mit ihrem Konzept nicht überzeugen konnte, sieht die Stadt im eigenen Zugriff die tragfähigste Lösung.

Der Preis ist hoch – politisch wie finanziell. Einschließlich Steuern und Nebenkosten kalkuliert die Stadt mit rund 16,2 Millionen Euro. Die Summe ist im Haushalt 2026 bereits eingeplant und durch das Regierungspräsidium Kassel genehmigt. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld spricht offen von einem „finanziellen und organisatorischen Kraftakt“. Ein Kraftakt allerdings, der aus seiner Sicht notwendig ist, um die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung zu stellen. Dass die Entscheidung nach intensiver Prüfung einstimmig getroffen wurde, wertet er als starkes Signal.

Hinter den Kulissen ist längst klar: Mit dem Beschluss beginnt erst die eigentliche Arbeit. Verschiedene Entwicklungsszenarien liegen auf dem Tisch, alle mit juristischen Fallstricken. Die Stadt sieht sich darauf vorbereitet, hat sich zusätzlich externen Sachverstand gesichert und will handlungsfähig bleiben – egal, welchen Verlauf die nächsten Schritte nehmen.

Im Kern geht es um mehr als einen Grundstückskauf. Die Stadt verfolgt das Ziel, zentrale städtebauliche Leitlinien selbst zu definieren. Das Areal soll als Gewerbestandort erhalten und weiterentwickelt werden, als Ort für Arbeit und Produktion mitten in der Stadt. Gerade die Größe eröffnet Möglichkeiten, die Fulda andernorts kaum noch hat. Geplant ist eine Neuordnung der Flächen, die Aufstellung eines Bebauungsplans, die Parzellierung in kleinere Einheiten, um eine vielfältige gewerbliche Nutzung zu ermöglichen.

Zugleich verbindet sich mit dem Schritt die Hoffnung, bestehende Baulandreserven sinnvoll zu nutzen und den Druck auf Außenbereiche zu mindern. Neue Arbeitsplätze sollen entstehen – in einer Größenordnung, die an die frühere Nutzung anknüpfen kann. Auch infrastrukturell steht einiges an: Erschließung, Anbindung, Ausbau bestehender Anlagen.

Aus Sicht der Stadt überwiegen diese Ziele klar die Interessen der bisherigen Vertragsparteien. Das Gemeinwohl, so die Argumentation, rechtfertige den Eingriff in die privatautonome Verfügungsfreiheit.

Die rechtliche Grundlage für diesen Schritt wurde bereits vor Monaten geschaffen. Im Juli 2025 trat eine Vorkaufssatzung für das Gelände in Kraft. Im Februar 2026 folgte die Ermächtigung durch die Stadtverordnetenversammlung, das Vorkaufsrecht tatsächlich auszuüben. Parallel wurde eine städtebauliche Planung beschlossen, die die Richtung vorgibt.

Ein Detail bleibt dabei außen vor: Ein rund 8000 Quadratmeter großes Grundstück, bislang als Firmenparkplatz genutzt, ist nicht Teil der aktuellen Maßnahme. Dieses will die Stadt direkt von Goodyear erwerben.

Was heute beschlossen wurde, ist damit mehr als ein formaler Akt. Es ist der Versuch, ein Stück Zukunft in die eigene Hand zu nehmen – mit allen Chancen, Risiken und einem Preis, der sich nicht nur in Euro bemisst. +++

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Banner 2 336 l

336 11pt