Das hat Tradition – und zwar eine sehr lange! Der Einmarsch der FKG bei der Fuldaer Zeitung gehört eigentlich zu den festen Größen im närrischen Kalender. Jahr für Jahr sorgt das Spektakel für Stimmung, Farbe und klare Worte. Und am Freitag war es wieder soweit: Im Foyer des Verlagshauses marschierten Garde und Elferrat ein, empfangen vom stellvertretenden Verlagsleiter Thomas Kirchhoff – stilecht verkleidet als Fuldaer Dräscher. Alles wie immer? Nicht ganz. Soweit zunächst: so gut.
Denn diesmal blieb vor allem ein Auftritt in Erinnerung – und zwar nicht unbedingt im positiven Sinne. Anlass zur Kritik gibt der Auftritt von Isabel von Brief und Siegel. Die zeigte sich auffallend kurz angebunden und brachte gerade einmal ein knappes „Ein föllsch Foll“ auf die Fuldaer Zeitung aus. Mehr kam nicht! Ein kurzer Satz, ein schneller Abgang – das war’s. Wer den Einmarsch aus den vergangenen Jahren kennt, weiß: Ihre Vorgänger hatten diesen Moment deutlich ausführlicher gestaltet, mit mehr Worten und mehr närrischer Würze.
Da stellt sich natürlich die Frage: Woher diese auffällige Zurückhaltung? Man könnte meinen, die Dame leidet noch immer an einer gewissen Magenverstimmung – möglicherweise ausgelöst durch einen kürzlich erschienenen Artikel, in dem die Beziehung der FKG zur CDU thematisiert wurde. Die Stimmung wirkte jedenfalls merklich abgekühlt.
Immerhin gab es auch Lichtblicke an diesem Tag. Der Nachwuchs setzte immerhin echte Glanzpunkte und sorgte für positive Akzente. Hier blitzte sie auf, die närrische Energie, die man sonst beim Einmarsch erwartet. Doch auch bei der Ordensvergabe lief diesmal nicht alles nach gewohntem Muster: Einen Prinzenorden gab es – anders als sonst – nicht. Da darf man sich durchaus fragen, ob die Prinzessin vielleicht keinen Humor hat.
Unterm Strich bleibt ein ungewöhnlicher Eindruck zurück. Fakt ist: Einen derart frostigen Einmarsch hat man bei der Fuldaer Zeitung scheinbar bislang noch nicht erlebt. +++ red.












7 Kommentare
Ich kann mich Rieser anschließen und bin ehrlich gesagt froh, wenn diese extrem nervende Fastnacht-Berichterstattung endlich vorbei ist. Es ist ja nicht so, dass ein gewisses Medium nicht längst eine eigene Extraseite für Fastnacht hat – und trotzdem wird die Hauptseite weiterhin mit diesem Inhalt regelrecht zugeballert. Da fragt man sich unweigerlich, was wohl dahintersteckt. Klicks, Reichweite und nochmal Klicks dürften eine entscheidende Rolle spielen. Am Inhalt selbst kann es jedenfalls kaum liegen. Einfach nur schlimm diese Entwicklung.
Reinhard stellt eine berechtigte Frage danach, wo sie waren und vor allem, warum sie durch Abwesenheit glänzten. Gerade kleine Märkte, enge gesellschaftliche Verflechtungen und wirtschaftlicher Druck erschweren die Bedingungen für den Lokaljournalismus erheblich. Dennoch darf das kein Grund sein, sich ausschließlich nach den Interessen einzelner Personen zu richten – eine gewisse journalistische Eigenständigkeit sollte stets gewahrt bleiben. Falls das nicht möglich ist, gehört es zur Verantwortung gegenüber den Lesern, die Tatsachen offen darzulegen. In Osthessen ist den meisten ohnehin bewusst, was vor sich geht.
Man kann Gerda in ihrer Einschätzung zustimmen, dennoch sollte die Frage gestellt werden, warum die sogenannten Hofberichterstatter bei diesem Termin nicht anwesend waren, obwohl sie an den übrigen Veranstaltungen des Tages teilgenommen hatten. In Osthessen scheint Kritik sowie ein presseähnliches Verhalten schwer akzeptiert zu werden. Auffällig ist zudem, dass Unternehmen ihre Werbung vor allem in CDU-nahen Medien platzieren, ohne erkennbar zu prüfen, ob sich diese Entscheidungen wirtschaftlich lohnen. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass in Osthessen marktwirtschaftliche Regeln durch gegenseitige Verflechtungen und Begünstigungen außer Kraft gesetzt sind.
Mal abgesehen von Fasching (was nicht gerade mein Ding ist) und der nervigen Prinzessin, ist hieran doch das einzig Bemerkenswerte, dass die FZ mithilfe des anonymisierten "Dräschers" seit Jahren wieder mal klar Position gegen den FDer KLÜNGEL bezogen hat. Auch, auffällig, dass das belanglose Hausundhofbildmagazin (O ber N ebelkerze) diesmal wegen Abwesenheit nicht beschwichtigen konnte.
Die Prinzessin hat offenbar in der Fuldaer CDU sehr schnell gelernt, wie mit Kritik umgegangen wird: Wer nicht dafür ist, gilt automatisch als dagegen – als Gegner, als Feind. Basta. Wer diesem Urteil entgehen will, muss sich wohl tief verneigen. Doch das liegt nicht jedem. Bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass die Fuldaer Zeitung Rückgrat beweist.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Gottseidank. Die Berichterstattung über das Treiben im Fasching nervt zunehmend. Die Hofmedien in Osthessen begleiten jeden noch so unwichtigen Auftritt einer gewissen Prinzessin von weiß ich was und inszenieren daraus ein Spektakel, das in seiner Bedeutung kaum nachvollziehbar erscheint. Doch interessiert sich das Fastnachtvolk tatsächlich für diese bescheidene Berichterstattung oder für die immer gleiche Bilderflut, die Jahr für Jahr reproduziert wird? Der Eindruck entsteht, dass hier weniger echtes Interesse als vielmehr routinierte Darstellung im Vordergrund steht. Auffällig ist dabei vor allem eines: Bei bestimmten Ereignissen waren die Hofmedien offenbar nicht präsent. In Osthessen wirkt all das bemerkenswert offensichtlich.
Erst einmal muss man der FZ zu ihrer doch deutlichen Kritik gratulieren. Das steht dem Blatt besser als das Buckeln vor der übergeordneten Partei der Dame. Der informierte Osthesse wird sich darüber freuen, dass nun nicht mehr nur FDI oder OHR den Finger ab und an in die Wunde legen. Für mich ist das eine durchaus positive Entwicklung. Wären doch nur die Parteien in der Region mutiger.