Es sind Sätze, wie sie in der Diplomatie gern fallen – und doch selten zufällig gewählt sind. Man sei geografisch weit voneinander entfernt, aber in der Weltanschauung so nah wie kaum zwei andere Partner, sagt Ursula von der Leyen. Gesprochen in Canberra, an der Seite von Anthony Albanese, markieren diese Worte mehr als nur den Abschluss jahrelanger Verhandlungen. Sie setzen den Ton für ein Abkommen, das wirtschaftlich gedacht ist – und politisch gelesen werden will.
Nach langen Gesprächen haben sich die Europäische Union und Australien auf ein Freihandelsabkommen verständigt. Der endgültige Text wurde bei dem Treffen in der australischen Hauptstadt vereinbart, wie die EU-Kommission mitteilt. Parallel dazu kündigten beide Seiten eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft an – ein Schritt, der die Dimension dieses Pakets noch einmal erweitert.
Im Kern geht es um Handel: Zölle sollen auf beiden Seiten abgeschafft werden, der Austausch von Dienstleistungen erleichtert, Investitionen gefördert. Zahlen, wie sie aus Brüssel genannt werden, zeichnen ein Bild von beträchtlicher Dynamik. Die EU-Exporte könnten in den kommenden zehn Jahren um bis zu 33 Prozent wachsen, mit einem jährlichen Wert von bis zu 17,7 Milliarden Euro. Besonders profitieren dürften Branchen wie Milchprodukte, deren Ausfuhren um bis zu 48 Prozent steigen könnten, ebenso wie Kraftfahrzeuge mit einem möglichen Plus von 52 Prozent und Chemikalien mit rund 20 Prozent. Auch die Investitionen aus Europa in Australien könnten deutlich zulegen – um mehr als 87 Prozent.
Doch hinter diesen Projektionen steht mehr als ökonomische Zuversicht. Von der Leyen spricht von „dauerhaften, auf Vertrauen basierenden Strukturen“, die geschaffen würden – für Frieden und Sicherheit, für Wohlstand durch regelbasierten Handel, für die Stabilität globaler Institutionen. Es ist die Sprache einer Zeit, in der Handelsabkommen längst nicht mehr nur Märkte öffnen sollen, sondern auch politische Allianzen festigen.
Der Weg bis zum Inkrafttreten ist allerdings noch formal geprägt. Auf europäischer Seite sollen die Entwürfe in Kürze veröffentlicht werden. Danach wird die Kommission dem Rat einen Vorschlag zur Unterzeichnung und zum Abschluss vorlegen. Erst wenn die Mitgliedstaaten zustimmen, kann das Abkommen unterzeichnet werden. Es folgen die Zustimmung des Europäischen Parlaments und ein weiterer Ratsbeschluss. Auch Australien muss das Abkommen ratifizieren.
Noch ist es also ein Projekt auf dem Papier – eines allerdings, das bereits jetzt signalisiert, wie sich die Europäische Union in einer zunehmend fragmentierten Welt positionieren will: durch Partnerschaften, die weit über die eigene Nachbarschaft hinausreichen. +++











