Ein Modellhaus gegen den Wohnungsmangel

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Der Wohnungsbau steckt vielerorts in einer Krise. Steigende Baukosten, komplizierte Förderbedingungen und wirtschaftliche Risiken lassen viele Investoren zögern. Projekte werden verschoben oder ganz aufgegeben. Umso bemerkenswerter ist jedes Vorhaben, das zeigt, wie neuer Wohnraum trotz schwieriger Rahmenbedingungen entstehen kann. In Fulda soll nun ein solches Projekt Wirklichkeit werden: das erste sogenannte GWH-HessenHaus.

Die Grundlage dafür wurde mit einer Entscheidung des Magistrats geschaffen. Die Stadt Fulda stellt der bauausführenden Konzerntochter GWH Bauprojekte GmbH ein Grundstück an der Adalbert-Stifter-Straße im Stadtteil Ziehers-Süd im Erbbaurecht zur Verfügung – und zwar zu besonders günstigen Konditionen. Damit wird der Weg frei für den Bau von elf öffentlich geförderten Wohnungen. Wenn die Zusammenarbeit weiterhin so reibungslos funktioniert wie bisher, könnte der Baustart noch in diesem Jahr erfolgen.

Hinter dem Projekt steht die GWH Wohnungsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt und Kassel. Mit dem GWH-HessenHaus hat das Unternehmen ein kostenoptimiertes Typen-Neubaukonzept entwickelt, das den Wohnungsbau in Hessen wieder voranbringen soll. Ende des vergangenen Jahres wurde das Modell erstmals vorgestellt. Dass nun ausgerechnet Fulda zum Standort des ersten Projekts wird, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer langjährigen Kooperation zwischen Stadt und Unternehmen.

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld spricht von einem „Leuchtturm“ für den Wohnungsbau – nicht nur für die Stadt, sondern für ganz Hessen. Gerade in einer Zeit, in der viele Investoren angesichts der wirtschaftlichen Risiken zurückhaltend seien, zeige das GWH-HessenHaus, wie dringend benötigter Wohnraum dennoch entstehen könne. Für die Stadt sei es daher ein besonderes Signal, dass das erste Projekt dieser Art in Fulda realisiert werde.

Dabei spielt auch der Standort eine Rolle. Das Grundstück an der Adalbert-Stifter-Straße liegt im Stadtteil Ziehers-Süd und damit in unmittelbarer Nähe zum Klinikum, dem größten Arbeitgeber der Region. Für Beschäftigte, Familien und andere Wohnungssuchende entsteht dort neuer Wohnraum in einer Lage, die infrastrukturell gut angebunden ist.

Die Stadt unterstützt das Vorhaben zudem mit ungewöhnlich günstigen Konditionen. Der Erbbauzins beträgt lediglich 1,2 Prozent – ein Wert, der laut Wingenfeld deutschlandweit zur Spitzengruppe gehört. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die entstehenden Sozialwohnungen über ein städtisches Förderprogramm zusätzlich zu unterstützen.

Auch bei der GWH sieht man in dem Projekt eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit mit der Stadt Fulda. Geschäftsführer Christian Wedler von der GWH Bauprojekte GmbH spricht von einer langjährigen, vertrauensvollen Kooperation. Umso mehr freue man sich darüber, dass Oberbürgermeister Wingenfeld das Konzept des GWH-HessenHauses unterstütze und die Pionierarbeit des Unternehmens begleite.

Tatsächlich ist die GWH in Fulda bereits seit Jahren präsent. Zu den jüngeren Projekten gehören unter anderem der Bau des „Stadttors Pacelliallee“ mit 56 Wohnungen und Mikroapartments in Klinikumnähe, die Modernisierung eines Wohnhauses mit Integration eines neuen Quartiersbüros sowie ein modernes Mehrfamilienhaus mit 44 Wohnungen in Bahnhofsnähe. Insgesamt verwaltet die GWH in Fulda rund 1.100 Wohnungen – die meisten davon im Stadtteil Ziehers-Süd.

Das GWH-HessenHaus soll nun einen neuen Ansatz im Wohnungsbau erproben. Die Idee dahinter ist vergleichsweise einfach: Durch eine detaillierte und hocheffiziente Vorplanung sollen Baukosten deutlich gesenkt werden. Das Typenkonzept ermöglicht es Kommunen und Investoren, auf eigenen Grundstücken schlüsselfertige Mehrfamilienhäuser zum Festpreis zu errichten. Auf diese Weise sollen auch in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt weiterhin bezahlbare Mieten möglich bleiben.

Für GWH-CEO Stefan Bürger ist das Konzept deshalb mehr als nur ein einzelnes Bauprojekt. „Mit dem GWH-HessenHaus zeigen wir, wie bezahlbarer, guter Wohnungsbau in Zusammenarbeit mit Kommunen schnell und einfach realisiert werden kann“, betont er. Für Städte und Gemeinden könne das Modell eine niedrigschwellige und vergleichsweise risikoarme Möglichkeit sein, gegen Wohnungsknappheit vorzugehen.

Das Typenkonzept erfüllt dabei alle gängigen baurechtlichen Vorschriften und Förderbedingungen des Landes Hessen. Gleichzeitig bleibt es flexibel: Die Wohnungen können zwischen zwei und fünf Zimmern umfassen und lassen sich sowohl in massiver als auch in modularer Bauweise realisieren.

Entwickelt wurde das Basismodell gemeinsam mit dem Büro grabowski.spork.architektur. Vorgesehen ist ein Gebäude mit den Maßen 12 mal 21 Meter, das bei vier Geschossen insgesamt elf Wohneinheiten umfasst. Damit entsteht ein kompakter, effizient geplanter Baukörper, der sich vergleichsweise schnell umsetzen lässt.

Ob das GWH-HessenHaus tatsächlich zum Vorbild für weitere Projekte wird, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Doch schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass hier ein Modell erprobt wird, das angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt dringend gebraucht wird. Fulda könnte damit zum Startpunkt eines Konzepts werden, das weit über die Stadt hinaus Wirkung entfaltet. +++

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