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Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU).

Eichenzell zwischen Haushaltssorgen, Großprojekten und der Frage nach der kulturellen Verantwortung

Eichenzell zwischen Haushaltssorgen, Großprojekten und der Frage nach der kulturellen Verantwortung

Die Gemeinde Eichenzell hat ihren traditionellen Jahresempfang genutzt, um Bilanz zu ziehen und zugleich den Blick nach vorn zu richten. Rund 300 geladene Gäste kamen am Donnerstagabend im Eichenzeller Schlösschen zusammen, als Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU) ein umfassendes Bild der politischen, finanziellen und infrastrukturellen Lage der Kommune zeichnete. Vor Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunalpolitik, Landes- und Bundespolitik, Wirtschaft, Ehrenamt und Gesellschaft spannte Rothmund einen weiten Bogen – vom verspäteten Haushalt über millionenschwere Investitionen bis hin zu Kultur, Ehrenamt und sozialem Zusammenhalt.

Ungewöhnlich sei der Start ins neue Jahr, machte der Bürgermeister gleich zu Beginn deutlich. Anders als sonst liege zu diesem Zeitpunkt noch kein beschlossener Haushalt vor. Ursache dafür seien unter anderem die spät vorliegenden Zahlen aus dem reformierten kommunalen Finanzausgleich sowie der erst am 13. November 2025 verabschiedete Nachtragshaushalt des Landes Hessen, der ein Soforthilfepaket für Kommunen in Höhe von 300 Millionen Euro umfasst. Hinzu kämen noch nicht abschließend geklärte Förderbedingungen aus einem Investitionsprogramm des Bundes, die eine frühere Einbringung des Haushalts verhindert hätten. Trotz dieser Verzögerungen überwog in Rothmunds Ausführungen ein vorsichtiger Optimismus. Von Bundesebene seien spürbare Verbesserungen für kommunale Haushalte zu erwarten, was als Signal zu werten sei, dass die angespannte Finanzlage der Kommunen zumindest teilweise in Berlin und Wiesbaden angekommen sei.

Gleichzeitig mahnte der Bürgermeister, Kommunen dürften nicht dauerhaft zu radikalen Sparmaßnahmen gezwungen werden, solange Bund und Land keine grundlegenden Reformen der seit Jahren unterfinanzierten Sozialsysteme auf den Weg brächten. Zudem gebe es Entlastungsmöglichkeiten, die ohne zusätzliche finanzielle Mittel auskämen, etwa durch eine kritischere Überprüfung und gegebenenfalls Absenkung von Standards bei kommunalen Pflichtaufgaben.

Im Rückblick auf das Jahr 2025 erinnerte Rothmund an zwei Wahlen, die die Eichenzellerinnen und Eichenzeller besonders beschäftigt hätten. Die Bundestagswahl im Februar verzeichnete eine Wahlbeteiligung von knapp 70 Prozent, die Bürgermeisterwahl im Advent lag mit gut 60 Prozent deutlich darunter. Das knappe, aber positive Ergebnis wertete der Amtsinhaber als Vertrauensbeweis. Zugleich dankte er seinem Herausforderer Lutz Köhler ausdrücklich für einen intensiven und überwiegend fair geführten Wahlkampf.

Einen breiten Raum nahm der Bericht über die umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur ein. Der Umbau der Kläranlage Löschenrod konnte abgeschlossen werden. Die Anlage ist nun nicht mehr für 12.000, sondern für 18.900 Einwohnerwerte ausgelegt. Rund 15 Millionen Euro investierte der Abwasserverband Oberes Fuldatal gemeinsam mit seinen Mitgliedskommunen. Finanziert wurde das Projekt vollständig über Abwassergebühren, ergänzt durch einen Landeszuschuss von rund 300.000 Euro für energieeffiziente Technik. Neben der Erfüllung strenger rechtlicher Vorgaben standen ökologische Aspekte im Vordergrund, darunter der Einsatz von Photovoltaik, Wärmepumpen und die energetische Verwertung von Klärschlamm.

Auch der Bauhof der Gemeinde steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Nach mehr als 30 Jahren in seiner bisherigen Struktur machten gestiegene Anforderungen, größere Fahrzeugflotten und verschärfte Arbeitsschutzvorgaben eine umfassende Erweiterung notwendig. Geplant sind ein neuer Sozialtrakt, erweiterte Fahrzeughallen, moderne Werkstätten und zusätzliche Lagerflächen. Die Umsetzung ist allerdings an die Verabschiedung des Haushalts 2026 gebunden, dessen Mittel nach Einschätzung des Bürgermeisters voraussichtlich nicht ausreichen werden, um alle notwendigen Sanierungen vollständig abzuschließen.

Besondere Bedeutung maß Rothmund den Verkehrsprojekten bei. Mit der Freigabe des ersten neuen Teilbauwerks der Talbrücke Thalaubach an der A7 im August 2025 sei ein Meilenstein erreicht worden. Der Bund investiert insgesamt rund 115 Millionen Euro in das Projekt. Die neue Brücke ermöglicht eine sichere Verkehrsführung und wurde im technisch anspruchsvollen Taktschiebeverfahren errichtet. Dem Umweltschutz sei dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden, etwa durch eine Nagelwandkonstruktion, die großflächige Rodungen vermieden habe. Die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden beschrieb Rothmund als konstruktiv und vertrauensvoll.

Weitere Großprojekte werfen bereits ihre Schatten voraus. Der Neubau der Talbrücke Welkers soll spätestens ab Anfang 2027 beginnen. Ziel sei es, Belastungen für Anwohner möglichst gering zu halten und langfristig durch verbesserten Lärmschutz und eine optimierte Regenrückhaltung für Entlastung zu sorgen.

Auch auf kommunaler Ebene war 2025 von Bautätigkeit geprägt. Die Erneuerung der Kreisstraße K 103, neue Radwegeverbindungen, zusätzliche Blitzer-Säulen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie umfassende Sanierungen von Straßen sowie Kanal-, Wasser- und Stromnetzen bestimmten das Bild. Mehrere Maßnahmen wurden als Verbundprojekte umgesetzt, um Kosten zu senken und Abläufe zu bündeln.

Im Wohnungsbau meldete die Gemeinde ebenfalls Fortschritte. Das Neubaugebiet „Nordöstliches Steinfeld“ ist erschlossen, alle Einfamilienhausgrundstücke sind vergeben. Neben Mehrfamilienhäusern ist dort auch der Bau einer großen Kindertagesstätte vorgesehen. Weitere Baugebiete sind nahezu vollständig bebaut, der Endausbau der Straßen ist für 2026 geplant.

Neben Beton und Technik fanden auch gesellschaftliche Themen ihren Platz. Eichenzell treibt sein Klimaschutzkonzept und die kommunale Wärmeplanung voran, investiert in Barrierefreiheit, fördert die ärztliche Versorgung und unterstützt Vereine, Ehrenamt und soziale Einrichtungen. Besonders gewürdigt wurden die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz sowie Initiativen der Inklusion und des Katastrophenschutzes, nicht zuletzt für ihren Einsatz über die Gemeindegrenzen hinaus.

Kulturell versteht sich Eichenzell weiterhin als aktiver Standort. Die Bandbreite reichte vom sanierten historischen Gebäude über ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm bis hin zum neu eröffneten SmartCity-Forum. Kultur dürfe, so der Appell des Bürgermeisters, nicht reflexartig dem Rotstift zum Opfer fallen, auch wenn Fragen der wirtschaftlichen Effizienz legitim seien.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf die Zukunft. Themen waren das neu gewählte Jugendparlament, anstehende Haushaltsentscheidungen und die grundsätzliche Frage, die den Abend leitmotivisch rahmte: Können wir uns Kultur noch leisten – und wer trägt Verantwortung für kulturelle Gerechtigkeit? Mit dieser Frage übergab Rothmund das Wort an die neue Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, Elke Hesse, deren Festrede den politischen Jahresauftakt in Eichenzell beschloss.

Den Schlusspunkt setzte Ingrid Fritsch, die Vorsitzende der Gemeindevertretung. In ihrer Rede griff sie die Ausführungen zur Bedeutung von Kultur auf und betonte, Kultiviertheit zeige sich nicht in Selbstbeschreibungen, sondern im Handeln – insbesondere dort, wo Macht, Entscheidungshoheit und wirtschaftliche Interessen wirkten. Zusammengefasst bedeute dies die Fähigkeit zur Selbstkritik, Respekt vor Komplexität und die Bereitschaft, Verantwortung über den eigenen Vorteil hinaus zu denken. In der Politik erlebe man häufig kurzfristiges Denken statt langfristiger Verantwortung, Lautstärke statt Argument und Positionierung statt Problemlösung. „Kultiviertheit endet dort, wo Zweckmäßigkeit Moral ersetzt“, sagte Fritsch. Kultiviertes Handeln bedeute dabei nicht, fehlerfrei zu sein, sondern verantwortlich, transparent und lernfähig.

Musikalisch umrahmt wurde der Jahresempfang von Frank Tischer am Flügel und Gesang sowie Markus Hillenbrand am Violoncello, die mit heiteren Werken den Aufbruch ins neue Jahr unterstrichen. +++ fdimd

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