Die EDAG Engineering Group AG hat ein Geschäftsjahr hinter sich, das exemplarisch für die angespannte Lage in der Automobilindustrie steht. Geopolitische Unsicherheiten, zurückhaltende Investitionen und eine insgesamt schwächere Nachfrage prägten 2025 das Umfeld des Engineering-Dienstleisters, der sich seit Jahren breiter aufstellt – mit wachsender Relevanz.
Der Auftragseingang summierte sich auf rund 688 Mio. Euro und lag damit deutlich unter dem Vorjahr. Auch beim Umsatz musste das Unternehmen einen spürbaren Rückgang hinnehmen: Die Erlöse sanken um 13 Prozent auf 714,0 Mio. Euro. Belastend wirkten vor allem Projektverschiebungen sowie geringere Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen großer Automobilhersteller und Systemlieferanten. Die schwächere Dynamik im Kerngeschäft Mobilität ließ sich nur teilweise durch Aktivitäten in anderen Branchen kompensieren.
Gerade hier zeigt sich jedoch, dass die strategische Neuausrichtung greift. Das Geschäft außerhalb der klassischen Mobilitätsindustrie legte deutlich zu: Der Umsatz mit Kunden aus anderen Industrien wuchs um rund 21 Prozent auf etwa 100 Mio. Euro. Insbesondere der Defence-Sektor erwies sich als stabiler Wachstumstreiber mit anhaltend hoher Investitionsbereitschaft und langfristig attraktiven Perspektiven.
Restrukturierung belastet Ergebnis
Auf der Ergebnisseite hinterließ das schwierige Umfeld ebenso wie interne Anpassungen deutliche Spuren. Das bereinigte Konzern-EBIT lag bei 12,9 Mio. Euro, was einer Marge von 1,8 Prozent entspricht. Unter dem Strich ergab sich ein Jahresergebnis von -43,7 Mio. Euro.
Die Entwicklung fiel in den einzelnen Segmenten unterschiedlich aus: Während im Vehicle Engineering und im Bereich Electrics/Electronics vor allem geringere Auslastung und rückläufige Umsätze im Mobility-Geschäft belasteten, wurde das Segment Production Solutions zusätzlich durch ein Großprojekt beeinträchtigt. Eine Wertberichtigung von insgesamt 15 Mio. Euro drückte hier das Ergebnis deutlich ins Minus. Dennoch gelang es dem größten Segment Vehicle Engineering, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen einen positiven EBIT-Beitrag zu leisten.
Parallel zum operativen Gegenwind setzte EDAG konsequent auf Kostendisziplin und strukturelle Anpassungen. Nach ersten Maßnahmen im Jahr 2024 wurde auch 2025 ein umfassendes Restrukturierungsprogramm umgesetzt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 30 Mio. Euro, nach etwa 35 Mio. Euro im Vorjahr.
Ziel ist eine nachhaltige Verbesserung von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Dazu gehört auch der beschleunigte Ausbau internationaler Delivery-Strukturen, insbesondere in Indien, sowie der gezielte Aufbau von Ressourcen für Wachstumsmärkte im Ausland. Die Belegschaft wurde entsprechend angepasst: Zum Jahresende beschäftigte EDAG weltweit 8.303 Mitarbeitende – rund 800 weniger als ein Jahr zuvor. Mittelfristig erwartet das Unternehmen aus diesen Maßnahmen jährliche Einsparungen von etwa 90 Mio. Euro.
Strategie setzt auf breitere Aufstellung und Technologie
Für die kommenden Jahre rückt die Diversifikation noch stärker in den Mittelpunkt. Neben Defence gewinnen auch Branchen wie Medizintechnik, Halbleiter, Chemie und Energie an Bedeutung. Ziel ist es, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie weiter zu reduzieren und zusätzliche Wachstumspfade zu erschließen.
Ein zentraler Baustein bleibt dabei die technologische Weiterentwicklung. Im Fokus steht die Beschleunigung von Entwicklungsprozessen, insbesondere durch den Einsatz skalierbarer, KI-gestützter Lösungen. Diese sollen sowohl die Produktentwicklung als auch industrielle Prozesse effizienter machen. Entwicklungen aus dem Bereich „Software Defined Vehicles“ werden dabei zunehmend auf andere Industrien übertragen – etwa in Form von „Software-Defined Defence“.
Auch mit der Industrial-Metaverse-Plattform „metys“ treibt EDAG datengetriebene Anwendungen voran. Der integrierte „KI-Fabrik“-Ansatz soll künftig nicht nur Großkunden, sondern auch mittelständischen Unternehmen zugänglich gemacht werden.
Vorsichtiger Ausblick auf 2026
Trotz der eingeleiteten Maßnahmen bleibt der Blick nach vorn verhalten. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet EDAG weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld. Entsprechend wird eine Umsatzentwicklung im Korridor von etwa plus/minus fünf Prozent erwartet.
Auf der Ergebnisseite zeigt sich das Management vorsichtig optimistisch: Die bereinigte EBIT-Marge soll wieder auf bis zu rund drei Prozent steigen. Die Investitionen werden voraussichtlich zwischen zwei und drei Prozent des Umsatzes liegen.
Mittelfristig hält das Unternehmen an klar definierten finanziellen Zielen fest. Im Zentrum steht eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität – konkret eine Steigerung der bereinigten EBIT-Marge auf sechs bis acht Prozent.
Finanzkennzahlen unterstreichen den Einschnitt
Die Entwicklung der zentralen Kennzahlen verdeutlicht den Einschnitt im Geschäftsjahr 2025:
Der Konzernumsatz sank von 822,0 Mio. Euro auf 714,0 Mio. Euro.
Vehicle Engineering erzielte 412,5 Mio. Euro (Vorjahr: 473,9 Mio. Euro).
Electrics/Electronics kam auf 204,9 Mio. Euro (Vorjahr: 238,2 Mio. Euro).
Production Solutions erreichte 111,5 Mio. Euro (Vorjahr: 132,2 Mio. Euro).
Beim bereinigten EBIT drehte der Konzern von 31,1 Mio. Euro im Vorjahr auf -12,9 Mio. Euro. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Segment Production Solutions aus, das mit -19,0 Mio. Euro abschloss. Vehicle Engineering blieb mit 7,9 Mio. Euro positiv, während Electrics/Electronics mit -1,8 Mio. Euro leicht ins Minus rutschte.
Auch beim Cashflow zeigt sich die angespannte Lage: Der Free Cashflow lag bei -8,7 Mio. Euro nach 70,1 Mio. Euro im Jahr zuvor. Die Netto-Finanzposition (ohne Leasing) verbesserte sich hingegen auf -78,0 Mio. Euro gegenüber -33,2 Mio. Euro.
In Summe steht EDAG damit vor einem Übergangsjahr: operativ unter Druck, strategisch jedoch klar ausgerichtet. Ob die eingeleiteten Maßnahmen schnell genug greifen, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, wie rasch der Weg zurück zu nachhaltigem Wachstum gelingt. +++











