Die Bahn tastet sich zurück – und bleibt doch tief im Minus

Bahn berlin1

Es ist ein vorsichtiger Schritt nach vorn, einer, der Hoffnung andeutet, ohne sie schon einzulösen. Die Deutsche Bahn hat im Geschäftsjahr 2025 operativ wieder schwarze Zahlen geschrieben. Drei Prozent mehr Umsatz, rund 27 Milliarden Euro insgesamt. Ein operatives Ergebnis, das sich deutlich verbessert hat – um 630 Millionen Euro auf nunmehr 297 Millionen Euro. Zahlen, die nach Aufbruch klingen könnten. Und doch liegt über dieser Bilanz ein Schatten, der sich nicht wegdiskutieren lässt.

Denn unter dem Strich steht weiterhin ein sattes Minus: 2,3 Milliarden Euro Verlust nach Steuern. Eine Zahl, die deutlich macht, wie weit der Staatskonzern noch von wirtschaftlicher Stabilität entfernt ist. Nur durch den Verkauf von DB Schenker – ein tiefer Einschnitt in die eigene Struktur – dreht sich das Bild rechnerisch ins Positive. 5,3 Milliarden Euro Überschuss stehen dann plötzlich da. Doch dieser Effekt ist einmalig, kein nachhaltiger Beweis für Stärke.

Bahnchefin Evelyn Palla findet klare Worte. Zufriedenheit sei fehl am Platz. Erst wenn die Bahn wieder aus eigener Kraft Gewinne erwirtschafte und Investitionen stemmen könne, sei das Ziel erreicht. Es ist ein Satz, der weniger Triumph als vielmehr Realitätssinn transportiert. Tatsächlich zeigt sich im operativen Geschäft ein gemischtes Bild. Fast alle Bereiche arbeiten inzwischen wieder profitabel – mit einer Ausnahme: DB Cargo bleibt das Sorgenkind. Zwar konnte das Ergebnis verbessert werden, doch die Sparte verharrt im Minus. Für 2026 kündigt der Konzern harte Einschnitte an. Sanierung, so viel ist klar, wird nicht ohne Schmerzen ablaufen.

Gleichzeitig hat die Bahn ihre Schulden spürbar reduziert. Um 11,9 Milliarden Euro sind die Netto-Finanzschulden gesunken, auf nun rund 20,7 Milliarden Euro. Möglich wurde das vor allem durch die Einnahmen aus dem Schenker-Verkauf, die gezielt in den Schuldenabbau geflossen sind. Ein strategischer Schritt – aber auch einer, der zeigt, wie groß der Druck ist.

Zwei Sondereffekte haben das Jahr 2025 entscheidend geprägt. Neben dem Schenker-Verkauf war es vor allem eine massive Abschreibung im Fernverkehr, die das Ergebnis belastete. Rund 1,4 Milliarden Euro mussten hier abgeschrieben werden. Der Grund: gedämpfte Umsatzerwartungen. Die langsamer als geplant verlaufende Sanierung der Infrastruktur und eine nur zögerliche Verbesserung der Pünktlichkeit bremsen die wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar aus. Die Probleme sind strukturell – und sie sind sichtbar.

Denn während die Bahn so viel investiert wie nie zuvor – rund 22 Milliarden Euro insgesamt, davon 19 Milliarden allein in die Infrastruktur –, bleibt die Wirkung begrenzt. Der Zustand des Netzes verbessert sich langsamer als erhofft. Baustellen, Verzögerungen, überlastete Strecken: Sie sind weiterhin Alltag für Millionen Reisende – und ein wirtschaftlicher Bremsklotz für den Konzern.

Und doch: Es gibt Bewegung. Die Transportbereiche entwickeln sich vorsichtig positiv. DB Regio steigert sein operatives Ergebnis, ebenso gelingt es den Busgesellschaften erstmals seit Jahren wieder, Gewinne zu schreiben. Auch der Fernverkehr kehrt operativ in die schwarzen Zahlen zurück, wenn auch auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig steigen die Fahrgastzahlen weiter an. 1,93 Milliarden Menschen nutzten 2025 den Schienenpersonenverkehr – ein Plus von 3,4 Prozent. Auch die Verkehrsleistung legt zu.

Es sind Zahlen, die zeigen: Die Nachfrage ist da. Die Menschen wollen Bahn fahren. Aber sie treffen auf ein System, das noch nicht Schritt hält. 2026 soll deshalb ein Jahr des Umbaus werden. Weniger Bürokratie, schnellere Entscheidungen, mehr Kundenorientierung – so beschreibt es die Konzernspitze. Es klingt nach Reform, nach Neuaufstellung, vielleicht sogar nach einem Kulturwandel. Doch ob daraus mehr wird als ein weiterer Anlauf, wird sich erst zeigen müssen. Die Bahn ist auf dem Weg – aber sie ist noch lange nicht angekommen. +++

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