Demokratie braucht Journalismus – doch dessen ökonomische und publizistische Grundlagen geraten zunehmend unter Druck. Werbemärkte brechen weg, Plattformen bestimmen die Spielregeln der Aufmerksamkeit, künstliche Intelligenz verändert Informationswege grundlegend und schneller, als viele Redaktionen reagieren können. In dieser Gemengelage steht oft die Dämonisierung kritischer Medien im Mittelpunkt: Journalismus wird infrage gestellt, delegitimiert, als störend empfunden. Und der Leser? Bekommt er das überhaupt noch mit, wenn er sich längst daran gewöhnt hat, nur die von KI generierten Zusammenfassungen in Suchmaschinen zu lesen? Der Klick auf den oder die dazugehörigen Artikel bleibt immer häufiger aus.
Gleichzeitig zeigt sich eine weitere bedenkliche Entwicklung. Viele Firmen und Kommunen scheinen sich Medien mit Werbegeldern gefügig machen zu wollen. Medien, die darauf eingehen, mögen kurzfristig profitieren, doch dieser geschäftliche Erfolg ist höchstwahrscheinlich nur von vorübergehender Natur. Glaubwürdigkeit lässt sich nicht dauerhaft kaufen, und publizistische Abhängigkeit rächt sich langfristig. Am Ende wird beim Leser wieder Vernunft einkehren. Der Wunsch nach fundierten, unabhängigen und sauber recherchierten Nachrichten wird sich durchsetzen und erneut die Oberhand gewinnen.
Genau hier liegt eine der zentralen Fragen der Zukunft: Was muss passieren, damit der Leser wieder mehr Informationen will als das, was ihm in Kurzform von Algorithmen serviert wird? Diese Aufgabe wird zur Hauptaufgabe. Journalismus muss sich dabei einem mächtigen Gegner stellen, der ausgerechnet seine eigenen Texte nutzt, um Informationen komprimiert und kontextlos weiterzugeben. Umso entscheidender wird es sein, den Leser nicht als bloßen Konsumenten zu begreifen, sondern ihn als Komplizen zu gewinnen – als einen Komplizen, der mehr wissen will, tiefer einsteigen möchte und versteht, dass Demokratie ohne echten, unabhängigen Journalismus nicht funktionieren kann. +++ redaktion ohr










