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Fuldas Bürgermeister Dag Wehner. Foto: fdi-Mediendienst

Dag Wehners dritte Amtszeit und was sie für Fulda bedeutet

Die Wiederwahl von Dag Wehner (CDU) zum Bürgermeister der Stadt Fulda ist mehr als ein formaler Akt kommunalpolitischer Routine. Mit 37 Ja-Stimmen, sechs Gegenstimmen, neun Enthaltungen und einer ungültigen Stimme hat die Stadtverordnetenversammlung, deren 59 Parlamentarier angehören, am Montagabend ein deutliches Signal gesendet: Kontinuität soll den Kurs der kommenden Jahre bestimmen. Wehner (58), seit dem 1. Juli 2014 im Amt und einziger Kandidat, tritt damit seine dritte Amtszeit an – getragen von einer breiten Mehrheit, aber nicht ohne erkennbare Bruchlinien.

Dass die Wahl ohne Gegenkandidaten stattfand, ist dabei selbst Teil der Botschaft. Die Stadtverordneten hatten sich zuvor bewusst gegen eine Ausschreibung der Stelle entschieden. Das kann man als Ausdruck von Vertrauen lesen – oder als Zeichen politischer Bequemlichkeit. Beides liegt nah beieinander. Fakt ist: Die Entscheidung fiel in der letzten Sitzung vor den anstehenden Kommunalwahlen am 15. März, und sie fiel klar aus. Fulda setzt auf Vertrautes in Zeiten, die vielerorts von Unsicherheit und politischer Nervosität geprägt sind.

Wehner selbst zeigte sich nach der Wahl gelassen, fast nüchtern. Er betonte, von „einer großen Mehrheit getragen“ zu werden, und verwies in seiner Dankesrede auf einen Punkt, der ihm sichtlich wichtig war: Während in anderen Städten Veranstaltungen reihenweise abgesagt würden, sei Fulda handlungsfähig geblieben. Der Subtext ist eindeutig. In einer Phase, in der Kommunen unter finanziellem Druck stehen und gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisieren, versteht sich Fulda unter Wehner als Ort der Stabilität – und der Bürgermeister als Garant dafür.

Diese Selbstbeschreibung ist nicht aus der Luft gegriffen. Wehner bringt Erfahrung mit, nicht nur aus seinen bisherigen zwölf Jahren im Amt, sondern auch aus seiner Zeit als Bürgermeister der Gemeinde Kalbach (2007-2014). Seine Zuständigkeiten – von Recht und Ordnung über Soziales und Bildung bis hin zu Verkehr, Sport und Verwaltung – machen ihn zu einer Schlüsselfigur im operativen Geschäft der Stadt. Die dritte, sechsjährige Amtszeit, die am 1. Juli 2026 beginnt, wird ihn erneut in diese umfassende Verantwortung führen.

Doch die Zahlen der Abstimmung zeigen auch: Die Geschlossenheit ist nicht total. Enthaltungen und Gegenstimmen markieren Distanz, vielleicht Skepsis, vielleicht schlicht den Wunsch nach Veränderung, der sich mangels Alternative nicht konkretisieren konnte. Wehner selbst sprach von großen Herausforderungen, die vor der Stadt liegen. Das klingt routiniert, ist aber realistisch. Bürokratische Belastungen, finanzielle Spielräume, gesellschaftlicher Zusammenhalt – all das wird Fulda ebenso beschäftigen wie andere Kommunen.

Im Anschluss an die Wahl nahm Wehner zahlreiche Glückwünsche entgegen, parteiübergreifend und aus der kommunalen Familie. Das passt ins Bild einer Stadt, die auf Ausgleich setzt. Die Wiederwahl ist damit weniger ein Aufbruch als eine bewusste Entscheidung für Verlässlichkeit. Ob diese Strategie langfristig trägt, wird sich zeigen. Für den Moment aber gilt: Fulda hat sich entschieden – und Dag Wehner steht erneut im Zentrum dieser Entscheidung. +++ redaktion ohr

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