Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation klingt die Nachricht zunächst wie eine Erlösung: Die deutsche Wirtschaft soll 2026 wieder wachsen. Prognosen der Bundesbank, der OECD und führender Wirtschaftsinstitute sagen ein leichtes Plus beim Bruttoinlandsprodukt voraus. Endlich, so scheint es, verlässt Deutschland die Phase der Dauerflaute. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Dieser Aufschwung trägt ein Sternchen. Er ist fragil, staatlich gestützt und kaum geeignet, die tief sitzenden strukturellen Probleme der größten Volkswirtschaft Europas zu lösen.
Denn das erwartete Wachstum speist sich weniger aus neuer wirtschaftlicher Dynamik als aus Sondereffekten. Mehr Arbeitstage, höhere staatliche Ausgaben und milliardenschwere Investitionsprogramme sorgen rechnerisch für Bewegung nach oben. Wirtschaftsforscher betonen jedoch unmissverständlich, dass ein selbsttragender Aufschwung nicht in Sicht ist. Ohne diese Impulse wäre das Wachstum kaum messbar – ein Befund, der mehr über die Schwäche der deutschen Wirtschaft aussagt als über ihre Stärke.
Besonders deutlich wird das im Mittelstand. Viele Unternehmen planen nicht mit einer echten Erholung, sondern reagieren weiterhin vorsichtig. Investitionen werden zurückgestellt, Expansionen auf Eis gelegt. Das Vertrauen in einen nachhaltigen Kurswechsel fehlt. Gleichzeitig warnen Industrie- und Handelskammern offen vor einem schleichenden wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands, sollte es nicht bald zu tiefgreifenden Reformen kommen. Bürokratie, hohe Energiekosten, Steuerbelastungen und ein angespannter Arbeitsmarkt bremsen weiterhin Wachstum und Innovationskraft.
In diesem Umfeld richtet sich der Blick zwangsläufig auf die Politik. Was hat die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz bislang vorzuweisen? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Zwar wurden Programme aufgelegt und Investitionspakete geschnürt, doch sie wirken wie kurzfristige Stabilisatoren, nicht wie der Beginn eines echten wirtschaftlichen Aufbruchs. Kritiker – auch aus dem politischen Lager jenseits der Opposition – bemängeln, dass es an einer klaren Reformagenda fehlt. Die Maßnahmen lindern Symptome, beheben aber nicht die Ursachen.
Der Stern-Stil verlangt an dieser Stelle Nüchternheit statt Alarmismus. Ja, ein Ende der Stagnation ist besser als ihr Fortbestand. Und ja, jeder Prozentpunkt Wachstum verschafft dem Staat und den Unternehmen etwas Luft. Doch ein Aufschwung, der vor allem auf staatlichen Ausgaben und statistischen Effekten beruht, bleibt ein fragiles Konstrukt. Er kann schnell verpuffen, wenn externe Schocks auftreten oder die öffentlichen Kassen unter Druck geraten.
Deutschland steht damit an einem bekannten Scheideweg. Entweder der Mini-Aufschwung von 2026 wird genutzt, um echte Strukturreformen anzustoßen – oder er bleibt ein Placebo, das den Reformdruck weiter verschleppt. Die Prognosen liefern keinen Grund für Selbstzufriedenheit, sondern einen letzten Warnhinweis. Wachstum mit Sternchen ist kein Durchbruch. Es ist ein Hinweis darauf, wie dringend ein solcher gebraucht wird. +++ redaktion adm









