Auf der Suche nach einem Bauernopfer

Fulda

In Fulda ist die Suche nach Verantwortung zu einem vertrauten Ritual geworden. Kaum sind die Verluste bei der letzten Wahl verdaut, beginnt hinter den Kulissen das leise, dann immer lautere Ringen um die Frage: Wer war’s? Wer trägt die Schuld? Und wie lässt sich das Ganze so erzählen, dass es politisch nützt?

Die Antwort scheint schnell gefunden. Über ein wohlgesinntes Haus- und Hofmedium wird ein Name in Stellung gebracht: der Stadtbaurat. Er soll es gewesen sein. Der Mann, an dem sich die Unzufriedenheit festmachen lässt, die sich über Monate angestaut hat. Eine bequeme Lösung – und eine, die bei näherem Hinsehen erstaunlich dünn wirkt.

Denn die Projekte, um die es geht, sind keine einsamen Entscheidungen eines Einzelnen gewesen. Sie wurden beschlossen, beraten, durchgewunken – von der Stadtverordnetenversammlung. Von genau jenem Gremium also, das die politische Verantwortung trägt. Wer heute so tut, als habe hier ein Einzelner eigenmächtig gehandelt, erzählt nur die halbe Geschichte. Oder besser: eine Geschichte, die so nicht stimmt.

Auffällig ist dabei auch die Rolle des Mediums, das diese Erzählung verbreitet. Der Ton, die Stoßrichtung, die Auswahl der Vorwürfe – all das wirkt weniger wie das Ergebnis nüchterner Analyse als vielmehr wie der Versuch, Verantwortung gezielt zu verlagern. Der Eindruck drängt sich auf, dass hier nicht aufgeklärt, sondern gesteuert wird. Dass es nicht darum geht, Fehler zu verstehen, sondern darum, jemanden zu benennen, der sie verkörpert.

Diese Verschiebung zeigt sich nicht nur in der Personalisierung von Schuld, sondern auch in der Art, wie politische Debatten insgesamt geführt werden. Im heutigen Beitrag von [...] wird der Blick auffällig weg von konkreten Entscheidungen gelenkt – hin zu großen Linien, zur „Mitte“, zur Verantwortung der Wähler, zur Warnung vor den Rändern. Das ist als Haltung erkennbar, als Appell formuliert, als politische Einordnung gemeint. Doch es ersetzt die Analyse durch ein Gefühl von Ordnung: Stabilität wird beschworen, während die Frage nach konkreter Verantwortung verblasst.

So entsteht ein eigentümliches Gleichgewicht. Auf der einen Seite wird ein Verantwortlicher benannt, ein Gesicht für Unzufriedenheit geliefert. Auf der anderen Seite wird das System selbst gegen Kritik immunisiert, indem der Fokus auf Geschlossenheit und Maß gehalten wird. Die eigentliche Auseinandersetzung – die mit den eigenen Entscheidungen, den eigenen Mehrheiten, den eigenen Versäumnissen – findet nicht statt.

Dabei lägen die entscheidenden Fragen längst auf dem Tisch. Warum verliert eine Partei Vertrauen? Warum kommen Entscheidungen bei den Menschen nicht mehr an? Und weshalb entsteht überhaupt der Drang, einen Sündenbock zu präsentieren, statt sich der eigenen Rolle zu stellen?

Die Antwort darauf ist unbequemer als jeder Name, der sich öffentlich nennen ließe. Sie liegt näher, als mancher in der CDU Fulda zugeben möchte. Vielleicht näher, als es politisch opportun ist. +++ nh

Ein Kommentar

  • Was sich dieser Cityfield anmaßt. Was hat das mit politischer Analyse zu tun? Welche Qualifikation hat der Bildreporter eigentlich, um solche Einschätzungen vorzunehmen. Aber wir wissen ja allmählich, dass er der Büttel derjenigen, die er schönreden möchte, ist, damit er auf ein ordentliches Werbebudget der gleichen Truppe kommt.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

336 11pt

336 11pt