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Foto: fdi-Mediendienst

Arbeitsmarkt 2025: Fulda bleibt Spitze – doch der Blick nach vorn trübt die Bilanz

Der Landkreis Fulda und die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz Rückschau auf den Arbeitsmarkt im Jahr 2025 gehalten. Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick erfreulich, doch hinter der statistischen Stärke verbergen sich Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben.

„Wir in der Region haben ein großes Interesse daran, dass der Arbeitsmarkt in einer Region, die sehr stark von der Wirtschaft, insbesondere der mittelständischen Wirtschaft, geprägt ist, gut aufgestellt ist und wir alles, was in unseren Möglichkeiten liegt, tun, um hier zu unterstützen“, sagte Landrat Bernd Woide (CDU) zu Beginn des Pressegesprächs am Dienstag. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zu 2024 im Jahresdurchschnitt 2025 von 3,7 auf 3,8 Prozent leicht angestiegen. Für Katharina Henkel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, bleibt der Landkreis dennoch Vorzeigeregion: „Wir können in unserem Agenturbezirk mit 3,8 Prozent mit der besten Arbeitslosenquote im hessenweiten Vergleich aufwarten.“ Viele Regionen beneideten Fulda um diese niedrige Quote.

Ganz ungetrübt fällt die Bewertung dennoch nicht aus. „Ganz so positiv kann uns diese Zahl unter Heranziehung doch auch einiger unschöner Entwicklungen leider nicht stimmen“, mahnt Henkel. Unter den aufgerundet rund 5.000 Arbeitslosen seien die Beschäftigten des Fuldaer Werks des Reifenherstellers Goodyear nicht enthalten. Das Werk stellte im September 2025 nach mehr als 125 Jahren die Produktion ein. Die betroffenen Arbeitnehmer befinden sich derzeit in einer Transfergesellschaft, in der Weiterbildung und im Idealfall eine nahtlose Weitervermittlung im Mittelpunkt stehen.

Differenziert fällt der Blick auf die beiden Systeme der Arbeitslosigkeit aus. Während im steuerfinanzierten System die Zahl der Arbeitslosen von 3.008 im Jahr 2024 auf 2.977 im Jahr 2025 leicht zurückging, stieg die Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung an. Dort erhöhte sich die Zahl von 1.711 auf 1.989. Besonders auffällig war der prozentual höhere Anstieg bei den unter 25-Jährigen. Die Gründe hierfür seien vielfältig, erläuterte Henkel. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sei der Einstieg für junge Menschen schwieriger. Hinzu komme, dass im Zuge von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz klassische Einsteigerjobs wegfielen – ein bundesweites Phänomen, das nicht allein Fulda betreffe.

Viele junge Menschen entschieden sich zudem eher für kurzfristige Verdienstmöglichkeiten als für eine Ausbildung. Tätigkeiten im Helferbereich wirkten attraktiv, seien langfristig jedoch häufig prekär. Die Arbeitsagentur versuche in Beratungsgesprächen gegenzusteuern und den Blick auf die nächsten Jahre zu lenken. Kurzfristig mehr Geld zu haben, sei langfristig oft keine gute Entscheidung. „Vernünftig ist es, in einer Ausbildung zu investieren“, so Henkel.

Wie dynamisch der Arbeitsmarkt dennoch bleibt, verdeutlichte Frank Kamolz, Bereichsleiter Operativ bei der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. In den vergangenen zwölf Monaten des Jahres 2025 mussten sich 5.507 Personen aus einer Erwerbstätigkeit oder nach dem Ende einer Ausbildung arbeitslos melden – ein Anstieg um knapp neun Prozent gegenüber 2024. Gleichzeitig stiegen die Abgänge in eine Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent. 4.285 Personen fanden den Weg aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit sank von rund 147 Tagen im Jahr 2024 auf etwa 141 Tage. „Wir haben mit 3,8 Prozent nicht nur die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Hessen, sondern auch die kürzeste Dauer der Arbeitslosigkeit“, betonte Kamolz. Hessenweit seien Menschen im Schnitt 26 Tage länger arbeitslos, bundesweit sogar 27 Tage.

Für das Kommunale Kreisjobcenter ist die Zahl der Bürgergeldberechtigten eine zentrale Kennzahl. Jürgen Stock, Leiter des Kreisjobcenters, erläuterte, dass ein Bürgergeldbezieher nicht zwangsläufig arbeitslos sein müsse. Voraussetzung seien Erwerbsfähigkeit – definiert als Alter zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter von derzeit 66 Jahren und acht Monaten – sowie Hilfebedürftigkeit aufgrund fehlenden Einkommens oder Vermögens.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark äußere Krisen die Zahlen beeinflusst haben. 2017 lag die Zahl der Bedarfsgemeinschaften bei über 5.000, geprägt von den Fluchtbewegungen der Jahre 2015 und 2016. Bis zur Corona-Krise sank diese Zahl auf etwa 4.600. Nach den Pandemie-Jahren wurde im Mai 2022 mit 3.902 Bedarfsgemeinschaften der niedrigste Stand seit Einführung des SGB II im Jahr 2004 erreicht. Der Krieg in der Ukraine machte sich ab Mitte 2022 deutlich bemerkbar: Mehr als 3.000 geflüchtete Bedarfsgemeinschaften aus der Ukraine führten zu einem Anstieg auf 4.733. Mit der Bürgergeldreform im Januar 2023 und höheren Leistungen wuchs die Zahl zeitweise auf rund 5.000 Bedarfsgemeinschaften an. Zum Jahresende 2025 lag sie bei 4.822 – ein Rückgang um 134 gegenüber dem Vorjahr, was 2,4 Prozent entspricht. „Nach einigen Jahren des Anstiegs konsolidiert sich die Zahl der Bürgergeldberechtigten auch bei uns im Landkreis Fulda“, so Stock.

Die Integrationsstatistik des Kreisjobcenters unterstreicht diese Entwicklung. 2025 wurden 1.692 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Ausbildung oder Selbstständigkeit integriert. Das entspricht einer Integrationsquote von 25,5 Prozent und liegt deutlich über dem hessischen Durchschnitt von 21,1 Prozent. Weitere 545 Personen nahmen eine geringfügige Beschäftigung auf. Insgesamt beziehen 4,6 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Fulda Bürgergeld. Zum Vergleich: In Kassel Stadt sind es 11,6 Prozent, der hessenweite Durchschnitt liegt bei 6,6 Prozent.

Auch in Weiterbildung wurde kräftig investiert. Die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda stellte 2025 insgesamt 9,41 Millionen Euro bereit. Davon entfielen 2,75 Millionen Euro auf Weiterbildungskosten, weitere 6,66 Millionen Euro auf Zuschüsse zum Arbeitsentgelt, etwa wenn Unternehmen Beschäftigte für Qualifizierungen freistellten. 559 Eintritte in Weiterbildungsmaßnahmen wurden gezählt.

Ein weiterer Schlüssel zur Integration bleibt die Sprachförderung. Markus Vogt, Leiter des Fachdienstes Kommunaler Arbeitsmarkt, berichtete von 640 Eintritten in Integrationssprachkurse im Jahr 2025. Im Vorjahr waren es noch 875 gewesen. In Berufssprachkurse traten 218 Personen ein, 2024 waren es 313. Derzeit warten rund 130 Menschen auf einen Platz in einem Integrationssprachkurs und etwa 100 auf einen Berufssprachkurs.

Um auch künftig im landes- und bundesweiten Vergleich positiv aufzufallen, setzen Arbeitsagentur und Landkreis weiterhin auf engen Austausch und Zusammenarbeit. Ziel bleibt es, vor allem junge Menschen für eine solide Berufsausbildung zu gewinnen und Unternehmen bei der Vermittlung von Fachkräften zu unterstützen – damit der Arbeitsmarkt in der Region Fulda auch künftig stabil bleibt. +++ adm

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