Deutschland im Drohnen-Dilemma! Das Bundeskriminalamt (BKA) dämpft die Erwartungen an eine flächendeckende Überwachung und Abwehr feindlicher Drohnenflüge über dem ganzen Land. BKA-Präsident Holger Münch macht klar: Eine Rundum-Überwachung des deutschen Luftraums wird es nicht geben. „Sie können angesichts der Geschwindigkeit und Flugdauer einer Drohne nicht reagieren, indem Sie versuchen, Einsatzkräfte spontan zu verlegen, wenn etwas gesichtet wird“, sagte Münch dem „Tagesspiegel“. Stattdessen setzt das BKA auf gezielten Schutz bei besonderen Anlässen – etwa bei Großveranstaltungen wie der Feier zum Tag der Deutschen Einheit. „Flächendeckende Überwachung wird es nicht geben, aber ein realistisches Lagebild schon“, betonte der Behördenchef.
Gleichzeitig kündigte Münch an, dass sich das BKA künftig einen deutlich besseren Überblick über Drohnenflüge verschaffen will. In diesem Jahr habe man bereits eine niedrige vierstellige Zahl an Drohnensichtungen über Standorten Kritischer Infrastruktur, militärischen Einrichtungen und Rüstungsunternehmen dokumentiert. Brisant: „Viele dieser erfassten Drohnenüberflüge sind Sichtungen durch Menschen, nicht durch technische Einrichtungen. Das muss sich ändern“, so Münch. Die Technik soll also massiv nachgerüstet werden.
Besonders alarmierend: In den seltensten Fällen konnten die Drohnenführer bislang identifiziert werden. Münch sprach von maximal einer zweistelligen Zahl. Gleichzeitig stellte der BKA-Präsident klar: „Wir haben bislang keine Beweise dafür, dass der russische Staat systematisch Drohnen über Deutschland fliegen lässt.“ Trotzdem gebe es immer wieder Sichtungen, die deutlich über harmlose Hobbyflüge hinausgehen – etwa große nichtkommerzielle Drohnen oder sogar Formationsflüge. Die Detektion, also die technische Erfassung von Drohnen, werde deshalb nun ausgebaut – zunächst an Flughäfen, militärischen Einrichtungen sowie bei großen Rüstungsunternehmen und Energieversorgern.
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) schlägt Alarm. Er sieht eine anhaltende Gefahr durch Drohnen in Flughafennähe. „Illegal betriebene Drohnen in Flughafennähe beeinträchtigen die Sicherheit und den Flugverkehr“, sagte Schnieder den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Gemeinsam mit den Bundesländern seien bereits Maßnahmen zur Abwehr ergriffen worden, nun müsse man prüfen, ob diese ausreichen. „Wir werden es beharrlich verfolgen. Denn die Angriffe gegen uns nehmen zu, da müssen wir gewappnet sein“, warnte der Minister.
Dass bei Drohnensichtungen in Flughafennähe der Flugverkehr eingestellt werden muss, hält Schnieder für alternativlos. „Gerade im Luftverkehr gilt: Sicherheit zuerst. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn eine Drohne mit einem Triebwerk kollidiert“, sagte der CDU-Politiker. Deshalb sei es richtig, den Flugbetrieb sofort zu stoppen, sobald es zu einer gefährlichen Annäherung zwischen unbemannten und bemannten Luftfahrzeugen kommen könne. Deutschland bleibt also wachsam – aber eine lückenlose Kontrolle des Himmels bleibt vorerst Illusion. +++ adm









