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57.600 eigene vier Wände im Kreis Fulda – doch junge Menschen verlieren den Traum vom Eigenheim

Wohnen ohne Miete – für viele Menschen im Landkreis Fulda ist das Realität: Rund 57.600 Wohnungen werden hier von ihren Eigentümern selbst genutzt – vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung. Doch während mehr als die Hälfte der Haushalte in den eigenen vier Wänden lebt, wächst gleichzeitig die Sorge, dass gerade junge Menschen immer seltener den Sprung ins Wohneigentum schaffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB).

Nach der regionalen Wohnungsmarkt-Analyse müssen im Landkreis Fulda für rund 57.600 Wohnungen keine Mietzahlungen geleistet werden, da ihre Eigentümer selbst darin wohnen. Etwa 13 Prozent dieser Eigentümer leben in einer Eigentumswohnung. Insgesamt ermittelten die Wissenschaftler für den Landkreis eine Wohneigentumsquote von 53,3 Prozent. Bundesweit liegt diese Quote dagegen lediglich bei 43,5 Prozent.

Für Matthias Günther vom Pestel-Institut ist das ein klares Signal: Deutschland bleibe trotz regional hoher Eigentumsquoten ein „Mieter-Land“ und liege beim europäischen Vergleich beim Wohneigentum nur auf dem vorletzten Platz. Zwar stehe das eigene Haus oder die eigene Wohnung weiterhin ganz oben auf der Wunschliste vieler Menschen – doch die Realität sehe zunehmend anders aus.

Besonders betroffen seien die 25- bis 40-Jährigen. Nach Angaben des Pestel-Instituts leben derzeit rund 44.600 Menschen dieser Altersgruppe im Landkreis Fulda. Immer mehr von ihnen seien jedoch gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. Gerade Jobstarter und junge Familien gehörten eigentlich zur klassischen Zielgruppe für Wohnungskauf und Hausbau. Doch diese „Nestbauer-Generation“ sei inzwischen zur „Verlierer-Generation“ beim Wohneigentum geworden, so Günther.

Kritik kommt vom Baustoff-Fachhandel. Die Branche sieht vor allem fehlende staatliche Unterstützung als Ursache für die Entwicklung. „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt BDB-Präsidentin Katharina Metzger.

Metzger fordert deshalb ein schnelles Eingreifen der Bundesregierung und ein neues Förderprogramm für Wohneigentum – eine umfassende „Haus-Förderung“. Notwendig seien direkte Zuschüsse, also finanzielle Unterstützung vom Bund, die auch Durchschnittsverdienern im Kreis Fulda den Weg in die eigenen vier Wände ebne. Gefordert werde ein staatliches Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum sowie ein zusätzliches Niedrigzinsprogramm.

Wer Eigentum erwerben wolle, müsse grundsätzlich in die Lage versetzt werden, dies auch mit wenig Eigenkapital zu schaffen. Gleichzeitig betont Metzger, dass der Weg ins Eigenheim große persönliche Opfer verlange: Vom Urlaub bis zum Autokauf müssten Käufer über viele Jahre erhebliche Abstriche machen. Dafür lebten sie langfristig mietfrei in den eigenen vier Wänden.

Entscheidend sei jedoch, dass staatliche Unterstützung kein „kompliziertes Bürokratiemonster“ werde. In dieser Forderung ziehen der Baustoff-Fachhandel und die Bauindustrie an einem Strang. Das staatliche Startkapital und zinsgünstige Kredite müssten schnell und unkompliziert bereitgestellt werden, fordert Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).

Zapf verlangt zudem langfristige Planungssicherheit: Die Förderung müsse dauerhaft garantiert werden. Wer heute beginne, für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, müsse sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch auf staatliche Unterstützung verlassen können. Es brauche eine „Marathon- und keine Sprint-Förderung“.

Mit deutlichen Worten richtet BDB-Präsidentin Metzger ihren Appell an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Landkreis Fulda und ganz Hessen. Im Koalitionsvertrag sei klar festgeschrieben, dass Wohneigentum gefördert werden solle. Passiere jetzt nichts, bleibe der Traum vom Eigenheim für viele weiter auf Eis, warnt sie.

Dabei habe Wohneigentum auch für die Altersvorsorge eine enorme Bedeutung. Für Zapf ist es eine „bewohnbare Rente“, ein Stück „Rente in Stein“. Gerade die geburtenstarken Jahrgänge zeigten, wie wichtig Eigentum im Alter sei. Viele Baby-Boomer gingen derzeit in den Ruhestand und hätten deutlich weniger Einkommen, während Mieten unverändert hoch blieben oder weiter stiegen.

Nach Einschätzung von Pestel-Ökonom Günther führt dies dazu, dass immer mehr Neu-Rentner ihre bisherige Wohnung kaum noch bezahlen könnten. Für ihn ist die Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut. Wer dagegen über Wohneigentum verfüge, komme finanziell im Ruhestand deutlich besser über die Runden. +++ red.

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