Eichenzell macht ernst: Trotz eines satten Haushaltslochs von rund 1,4 Millionen Euro hält die Gemeinde unbeirrt am Kurs „Wir investieren in die Zukunft“ fest – und präsentiert einen Haushaltsentwurf für 2026, der deutlich zeigt, dass Stillstand keine Option ist. Die Botschaft der Einbringungsrede: Zwischen zwei Wahlkämpfen soll gearbeitet werden – und zwar richtig.
Auch wenn der Ergebnishaushalt im kommenden Jahr nicht ausgeglichen werden kann, sieht man in Eichenzell keinen Grund zur Panik. Die Rücklagen sind komfortabel – über 13 Millionen Euro – und sollen das Minus locker abfedern. Gleichzeitig soll kräftig investiert werden: in Smart-City-Projekte, eine Übergangs-Kita in Rönshausen und die große Kreuzung am Rhönhof. 5,18 Millionen Euro neue Kredite sollen dafür möglich sein.
Doch damit nicht genug: Bei den Steuern müssen die Schrauben angezogen werden. Die Gemeinde kündigt spürbare Hebesatz-Erhöhungen an – Grundsteuer A rauf auf 410 Prozent, Grundsteuer B auf 335 Prozent und die Gewerbesteuer auf 400 Prozent. Grund dafür sind Einnahmeverluste durch die letztjährige Landesempfehlung zur Grundsteuerreform sowie steigende Kosten für Kinderbetreuung und Infrastruktur. Insgesamt stehen 21,8 Millionen Euro an Verpflichtungsermächtigungen im Raum.
Bei den Erträgen sieht es auf den ersten Blick positiv aus: von 21,4 auf 22,7 Millionen Euro. Der Grund dafür ist vor allem der kräftige Schub bei der Gewerbesteuer. Allein durch die Erhöhung des Hebesatzes sollen 851.000 Euro zusätzliche Einnahmen entstehen, dazu kommen weitere erwartete Steigerungen von 3,5 Prozent. Einzelunternehmen und Personengesellschaften bleiben trotz Erhöhung verschont, da sie Gewerbesteuer mit der Einkommensteuer verrechnen können.
Auch bei der Grundsteuer B wird nachgebessert – die Gemeinde will wieder auf Einnahmen von 2,02 Millionen Euro kommen. Die Umsetzung der Landesempfehlung hatte nämlich zu empfindlichen Einbußen geführt. Nun soll die Erhöhung auf 335 Prozent die Lücke nahezu schließen. Gleiches Bild bei der Grundsteuer A: Mit dem Sprung auf 410 Prozent kehrt die Gemeinde nur zu ihren früheren 50.000 Euro Einnahmen zurück.
Bei den Schlüsselzuweisungen gibt es zwar ein Plus – 2,64 Millionen Euro plus 294.000 Euro Sofortprogramm – doch gemessen an den steigenden Ausgaben reicht das bei weitem nicht aus. Die Gemeinde zeigt sich dennoch erleichtert, dass der Zuschlag für den ländlichen Raum und die Investitionspauschale weiter fließen. Gleichzeitig drängt die Frage: Muss das Land seine Vorgaben für Kinderbetreuung lockern, wenn es selbst die Kosten nicht stemmen kann?
Auch vom Bund könnte 2026 Geld kommen – aus dem Sondervermögen. Wie viel und wann, weiß jedoch niemand. Deshalb taucht dieser Posten nicht im Haushalt auf. Die Gemeindeanteile an Einkommens- und Umsatzsteuer bleiben stabil, doch die Landeszuschüsse reichen längst nicht mehr aus, um die kostenfreie Vormittagsbetreuung zu decken.
Auf der Ausgabenseite wird es ernst: höhere Beamtenbesoldung, drei Prozent mehr Tariflohn, teurere Höhergruppierungen. Neue Stellen gibt es nicht – aber die befristete Bautechnikerstelle wird unbefristet gebraucht, weil niemand aus einem sicheren Job dorthin wechseln wollte. Ein hessenweites Problem: Die Personalkosten stiegen im Schnitt der letzten zehn Jahre um über 80 Prozent.
Im Sonderbudget II wurden Einsparungen gebündelt – 600.000 Euro sollten es sein, 550.000 Euro bleiben nach Einrechnung des Sportstättenentwicklungskonzepts übrig. Manche Reparaturen werden 2026 wohl warten müssen. Auch die Schredderaktion im Frühjahr wird gestrichen – das spart 30.000 Euro.
Deutlich teurer wird es bei den Umlagen – besonders an den Landkreis Fulda. 1,3 Millionen Euro mehr müssen abgeführt werden als noch 2024. Dennoch bleibt die Gemeinde dank der Rücklagen von einem Haushaltssicherungskonzept verschont. Aus dem Ergebnishaushalt fließen 757.000 Euro in den Finanzhaushalt, das reicht aber nicht für die Tilgung. Hoffnung setzt Eichenzell auf die Vermarktung des neuen Wohn- und Gewerbegebiets in Kerzell.
Insgesamt wurden bereits 1,56 Millionen Euro konsolidiert – ohne dass die Vereinsförderung auch nur angerührt wurde. Ein selten gewordenes Bild in angespannten kommunalen Zeiten. Gleichzeitig warnt die Gemeinde: Ohne das Konnexitätsprinzip darf es weder vom Land noch vom Bund neue Aufgaben geben, die am Ende Kommunen bezahlen müssen.
Für 2026 rechnet Eichenzell mit 10,8 Millionen Euro Auszahlungen – deutlich weniger als im Vorjahr. Investiert wird trotzdem kräftig weiter: vom Bauhof über Feuerwehrfahrzeuge bis hin zur möglichen Sanierung des Altbaus. Alle Ortsteile sollen profitieren: neue Straßen, Radwege, Beleuchtung, Beschattung auf Spielplätzen, Zuschüsse für Vereine und Sanierungen öffentlicher Gebäude.
Besonders teuer wird es in Rönshausen: Die Übergangs-Kita schlägt mit einer Million Euro zu Buche. In Lütter wird der Endausbau fällig, in Welkers steht die grundhafte Sanierung der L3307 an. Auch Rothemann und Kerzell bekommen umfangreiche Maßnahmen – von neuen Planungen über die Sanierung des Bürgerhauses bis zur Modernisierung der Kita.
Unterm Strich erwartet die Gemeinde 756.000 Euro Überschuss aus laufender Verwaltung, 2,3 Millionen Euro Zuschüsse, 1,74 Millionen Euro Verkaufserlöse sowie eine Kreditaufnahme von 5,18 Millionen Euro.
Zum Schluss kündigt die Verwaltung an, in den kommenden Wochen in die Fraktionen zu kommen, um Fragen zu klären – persönlich oder digital. Die Hoffnung: konstruktive Beratungen und ein guter Haushaltsbeschluss im Januar 2026. Begleitet von den besten Wünschen für Advent und Weihnachten.









