Große Pläne beim Erzeugerschlachthof Kurhessen: Auf der Hauptversammlung in dieser Woche kündigte das Unternehmen Investitionen in Höhe von 2,4 Millionen Euro an. Vorgesehen sind eine neue Betäubungsanlage auf dem aktuellen Stand der Technik sowie eine neue Schweineschlachtstraße, die künftig klar vom Rinderband getrennt sein soll. Die entsprechenden Förderanträge sollen in Kürze gestellt werden. Fällt der Bescheid positiv aus, kann der Schlachthof mit einem Zuschuss von 40 Prozent rechnen. Vorstand Winfried Schäfer machte dabei unmissverständlich klar, welchen Weg man einschlagen will. „Wir können nur durch Qualität glänzen“, sagte er und spielte damit auf die großen Schlachtbetriebe an, die mit deutlich höheren Tierzahlen arbeiten. Auf diesem Feld könne und wolle man nicht konkurrieren. Statt Masse setzt der Erzeugerschlachthof Kurhessen bewusst auf Tierwohl und eine hohe Fleischqualität.
Zuvor hatte Vorstand Peter Schmitt allerdings erneut weniger erfreuliche Zahlen präsentiert. Für das Geschäftsjahr 2024 steht ein Verlust von 55.458,54 Euro zu Buche. Die Umsatzerlöse gingen im Vergleich zum Vorjahr um knapp sieben Prozent zurück und lagen bei 1.246.440,17 Euro, nachdem 2023 noch 1.337.443,47 Euro erzielt worden waren. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung war eine technische Störung im Sommer 2024. Ausgelöst durch einen rund einen Kilometer entfernten Blitzeinschlag stand der Betrieb für gut drei Wochen still. Die Folgen waren deutlich spürbar, denn die Schlachtzahlen brachen in dieser Zeit massiv ein.
So kamen im Jahr 2024 lediglich 37.868 Schweine an den Haken, nachdem es im Vorjahr noch 45.982 gewesen waren. Bei den Rindern konnte der Erzeugerschlachthof dagegen zulegen: 3.385 Tiere wurden geschlachtet, im Vergleich zu 3.108 im Jahr 2023. Die insgesamt verminderte Schlachtzahl war bereits auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr angekündigt worden und kam daher für die Aktionärinnen und Aktionäre nicht überraschend. Diese repräsentierten bei der diesjährigen Versammlung gemeinsam ein Kapital von 126.500 Euro, bei einem Aktienwert von 500 Euro pro Anteil. Der erzwungene Stillstand im Sommer führte zu einem entgangenen Umsatz von rund 100.000 Euro. Bereits das Geschäftsjahr 2023 hatte mit einem Verlust von 146.658,07 Euro abgeschlossen, damals vor allem wegen der aus eigenen Mitteln finanzierten Sanierung des Dachs.
Für das laufende Geschäftsjahr 2025 konnte Peter Schmitt jedoch wieder positive Signale senden. Bislang wurden 45.783 Schweine und 3.732 Rinder geschlachtet. Die vorläufigen Geschäftszahlen bis Ende November 2025 weisen einen Gewinn von rund 54.000 Euro aus. Damit dürfte das Jahr 2025 wieder schwarze Zahlen bringen und dem Schlachthof neuen finanziellen Rückenwind verschaffen.
Aufsichtsratsvorsitzender Sebastian Bühler nutzte die Hauptversammlung, um den anwesenden Aktionärinnen und Aktionären ausdrücklich für ihr Engagement zu danken. Ihr Einsatz diene dem Ziel, den Schlachthof als wichtige regionale Infrastruktur zu erhalten – ohne die Erwartung eines persönlichen finanziellen Gewinns. Natürlich müsse die Wirtschaftlichkeit stimmen, betonte Bühler, doch zugleich stellte er klar: „Das Projekt wird auch von Idealismus getragen.“
Auch personell gab es Bewegung. Der erst Mitte Oktober 2024 in den Vorstand berufene Stefan Sutor ist bereits im September 2025 wieder ausgeschieden. Dies sei auf seinen eigenen Wunsch erfolgt, hieß es auf Nachfrage kurz vor der Hauptversammlung. Während der Versammlung selbst wurde sein Abgang nicht thematisiert.
Neu an Bord ist seit dem 1. Januar Betriebsleiter Michael Plagge. Der in Darmstadt wohnhafte Fleischermeister war in den vergangenen beiden Jahren bei der Premium Food Group, besser bekannt unter dem früheren Namen Tönnies, im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück im Vertrieb tätig.
Auch im Aufsichtsrat kam es zu einem Wechsel. Rudolf Bühler ist auf eigenen Wunsch altersbedingt ausgeschieden. Neu gewählt wurde Carsten Koch, Geschäftsführer Karl Eidmann. Er betonte, wie sehr er darauf brenne, sich künftig einzubringen. Mit seinem Unternehmen ist Koch bereits seit Jahren ein treuer Kunde und fühlt sich dem Erzeugerschlachthof Kurhessen daher besonders verbunden. +++ fdim










