Winterchaos und der Blick in den Norden

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In Deutschland fallen ein paar Zentimeter Schnee, und das Chaos bricht aus. Alles verspätet sich, Busse kommen nicht, Züge stehen still, und der Unterricht an Schulen fällt aus. War das eigentlich schon immer so? Früher, als ich noch ein Kind war und zur Schule musste, so um 1968, hat es öfter Schnee gegeben – und das nicht wenig. Jetzt werden viele sagen: falsche Erinnerung, öfter Schnee gegeben und das nicht wenig, das stimmt nur in der Rückschau. Doch ich habe es erlebt und kann mich sehr gut erinnern.

Auf dem Weg zum Schulbus wurden Schneeballschlachten gemacht. An der Bushaltestelle angekommen, hat man sich die Zeit mit Spielen im Schnee vertrieben. Schnee gehörte zum Winter einfach dazu, und niemand wäre auf die Idee gekommen, deshalb gleich den Alltag lahmzulegen. Und heute? Heute können die Übermuttis mit ihren SUVs ihre überbehüteten Kinder bei Schnee und Eis nicht mehr zur Schule bringen. Oder besser gesagt: Sie wollen es nicht. Die Angst, die Kinder könnten ausrutschen und sich wehtun, beherrscht die Gedanken.

Also werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Das Schulamt wird angerufen, mit der Forderung: Sagen Sie den Unterricht ab. Inzwischen scheint man in vielen Schulämtern diese Anrufe von besorgten Übermuttis gar nicht erst abzuwarten. Man verkündet den Schulausfall lieber gleich selbst, bevor jemand Verantwortung übernehmen muss. Ein paar Zentimeter Schnee reichen aus, um den geregelten Ablauf außer Kraft zu setzen.

Wie aber sieht es in Ländern wie Norwegen oder anderen nordischen Ländern aus, wo es noch richtige Winter gibt? Dort ist Schnee keine Ausnahme, sondern Normalität. Dort kommt nicht gleich das Salzfass zum Einsatz, um jeden Flockenrest von der Straße zu waschen. Im Gegenteil: Der Schnee wird festgefahren, die Fahrbahnen werden verdichtet und anschließend mit Splitt befahrbar gemacht. Das funktioniert, weil man sich auf den Winter einstellt und ihn nicht als Störfall betrachtet.

In diesen Ländern kommen Schulbusse trotz Schnee, Züge fahren, und das öffentliche Leben kommt nicht zum Stillstand. Kinder gehen zur Schule, Menschen zur Arbeit, weil man gelernt hat, mit winterlichen Bedingungen umzugehen. Winterreifen, angepasste Geschwindigkeit und eine Infrastruktur, die auf Kälte und Schnee ausgelegt ist, gehören dort selbstverständlich dazu. Der Blick nach Norwegen und in andere nordische Länder zeigt: Winter muss kein Chaos bedeuten. Chaos entsteht dort, wo man verlernt hat, mit etwas umzugehen, das früher einmal ganz normal war. +++

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