Der Ball der Stadt Fulda gilt als gesellschaftlicher Höhepunkt der Fastnachtskampagne. An diesem Samstagabend wird in der Orangerie wieder gefeiert und getanzt, geschniegelt, geschniegelt, geschniegelt. Ein Ereignis von solcher Bedeutung, dass dabei leicht in Vergessenheit gerät, wer hier eigentlich Gastgeber ist. Nicht die Stadt Fulda selbst lädt ein, sondern der FKG. Die Kommune, die diesem Ball ihren Namen leiht, richtet nicht einmal einen eigenen Jahresempfang aus – so wie es einer Stadt dieser Größenordnung gut zu Gesicht stünde. Kein offizieller Empfang, keine Einladung aus dem Rathaus. Stattdessen eine Tanzfläche, die verlässlich gefüllt ist. Fastnacht kann offenbar, was Verwaltung nicht vermag. Könnte man zumindest meinen.
Wenn in Fulda die Scheinwerfer angehen und die Tanzfläche glänzt, nennt man das gern den Ball der Stadt. Ein schöner Titel für etwas, das die Stadt selbst nicht einmal offiziell begeht. Übrig bleibt eine traditionsreiche Fastnachtsveranstaltung, die sich Jahr für Jahr ein wenig weiter von der Straße entfernt – und ein wenig näher an die Logen.
Denn längst geht es nicht mehr nur um Brauchtum. Es geht um Sichtbarkeit. Um Bühne. Und um jene, die sie zuverlässig bespielen. Ein Leitmedium gibt den Takt vor, andere fallen ein. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Gewohnheit. Wer will schon stören, wenn man mitfeiern darf?
Wenn dann die „Freunde des Abends“ präsentiert werden, fällt auf: Die Auswahl folgt keinem Zufall. Ein altbekannter Möglichmacher ist dabei, ein juristisch versierter Netzwerker ebenfalls. Geschenkt. Problematisch wird es dort, wo Rolle und Reklame ineinanderfließen.
Denn wenn ausgerechnet die amtierende Symbolfigur der Fastnacht – Krone, Schärpe, Lächeln inklusive – zur Visitenkarte einer bestimmten Profession wird, verlässt man den Bereich des Brauchtums. Die Bühne wird zur Werbefläche, das Amt zur Marke.
Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da galten klare Grenzen. Wer Teil der Rechtspflege war, hielt Abstand zur Eigenwerbung. Nicht aus Bescheidenheit, sondern aus Prinzip. Dieses Prinzip wurde nicht abgeschafft – es wurde schleichend ausgehöhlt. Erst leise, dann immer selbstverständlicher.
Dass all dies reibungslos funktioniert, hat mit Nähe zu tun. Mit kurzen Wegen. Mit Menschen, die sich seit Jahren kennen, vertrauen, einander Türen öffnen. Fastnacht, öffentliche Aufmerksamkeit und persönliche Netzwerke greifen ineinander wie Zahnräder. Man sieht sie nicht – aber sie drehen sich.
Und dann ist da noch ein Institut, das sich gern als verlässlicher Partner der Vielen versteht. Umso merkwürdiger wirkt es, wenn sein gesellschaftliches Engagement vor allem dort stattfindet, wo Einladungen knapp und Sektgläser voll sind. Nähe zur Region zeigt sich nicht nur unter Kronleuchtern.
Fastnacht darf laut sein. Sie darf überzeichnen. Sie darf den Spiegel vorhalten. Aber sie verliert ihren Kern, wenn Masken nicht mehr verbergen, sondern verkaufen.
Dann bleibt von Fölsch Foll hinein nur noch ein leiser Nachhall. Und das ungute Gefühl, dass es längst heißt: Fölsch Foll vorbei. +++ redaktion ohr











3 Kommentare
Beim Ball der Stadt Fulda ist bei mir ein Eindruck entstanden, der über diesen einzelnen Abend hinausgeht. Aus meiner persönlichen Sicht wirkt es, als habe sich die Fuldaer Zeitung mit einer sehr zurückhaltenden Rolle zufriedengegeben. Die Zeiten, in denen ein Oberbürgermeister kritisch und mit spürbarem journalistischem Abstand begleitet wurde, scheinen – so mein Eindruck – spätestens seit der Amtszeit von OB Wingenfeld vorbei zu sein. Statt klarer Distanz nehme ich eher Zurückhaltung wahr.
Gerade die Berichterstattung rund um diesen Ball verstärkt dieses Gefühl. Beteiligung scheint wichtiger zu sein als kritische Einordnung, Präsenz wichtiger als Analyse. Selbstverständlich ist es legitim, über gesellschaftliche Ereignisse zu berichten und Bilder zu veröffentlichen. Aus Lesersicht darf man jedoch die Frage stellen, ob damit der journalistische Auftrag, Machtstrukturen in der Region aufmerksam zu begleiten, zu hinterfragen und auch kritisch auszuhalten, noch ausreichend erfüllt wird. Für mich wirkt es so, als sei dieser Anspruch zumindest in den Hintergrund gerückt.
Dieser Eindruck beschränkt sich nicht allein auf die Fuldaer Zeitung. Auch andere Akteure im öffentlichen Raum scheinen sich eher mit dem zufriedenzugeben, was ihnen zugänglich gemacht wird. Das Bild von Stadttauben, die die Reste aufsammeln, mag zugespitzt sein, beschreibt aber mein Gefühl von Anpassung statt Auseinandersetzung. Der FKG und die mit ihm verbundenen Personen erscheinen dabei als ein sehr einflussreiches Netzwerk in Osthessen. Dass dieser Einfluss kaum öffentlich kritisch diskutiert wird, fällt zumindest mir auf.
All dies ist meine persönliche Wahrnehmung als Leser. Nähe mag angenehmer sein als Widerspruch, doch aus meiner Sicht kann sie eine klare Haltung nicht ersetzen. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, diese Beobachtungen öffentlich zu benennen und zur Diskussion zu stellen.
Ich freue mich für Osthessen und beglückwünsche die Region zu diesem neuen Portal. Es ist ein wichtiges Signal für Medienvielfalt und regionale Berichterstattung. Ich hoffe, dass auch die Fuldaer Zeitung daran beteiligt ist. Es wäre wünschenswert, wenn sie sich aktiv einbringt und ihre Rolle als regionale Stimme weiter behauptet, statt das Feld anderen vollständig zu überlassen.
Der Ball steht sinnbildlich für eine lokale Kultur der Selbstinszenierung, die vielen Bürgerinnen und Bürgern zunehmend fremd geworden ist. Netzwerke aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft präsentieren sich hier unter sich – öffentlich, aber nicht unbedingt transparent. Die veröffentlichten Fotos verstärken diesen Eindruck eher, als dass sie ihm entgegenwirken. Sie zeigen vor allem Repräsentation und Selbstdarstellung, lassen jedoch Distanz zur Lebensrealität vieler Menschen erkennen.