Selenskyj zwischen Washington, Berlin und Moskau

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Es sind Tage intensiver Diplomatie, in denen sich entscheidet, ob Bewegung in einen festgefahrenen Krieg kommt oder ob neue Nebelkerzen den Blick auf einen möglichen Frieden verstellen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Florida das Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gesucht – und damit deutlich gemacht, wie eng Kiew die transatlantische und europäische Abstimmung weiterhin hält.

Wie Selenskyj am Montag mitteilte, informierte er Merz ausführlich über die Ergebnisse seines Treffens mit Trump. Es ging um die zentralen Themen und Schwerpunkte der Gespräche, um Einschätzungen und politische Linien. Selenskyj dankte dem deutschen Kanzler ausdrücklich für dessen „Rat und ständige Koordination“ – eine Formulierung, die unterstreicht, welche Rolle Berlin aus Sicht Kiews weiterhin spielt.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen dabei nicht nur diplomatische Perspektiven, sondern auch das, was Selenskyj als gezielte russische „Desinformationen“ bezeichnete. Moskau versuche, so der Vorwurf, diplomatische Bemühungen zu untergraben und den Krieg bewusst in die Länge zu ziehen. Konkret bezog sich Selenskyj offenbar auf jüngste Anschuldigungen des Kremls, ukrainische Truppen hätten das Anwesen des russischen Präsidenten Wladimir Putin angegriffen. Für Kiew sind solche Vorwürfe Teil eines bekannten Musters: Ablenkung, Eskalationsrhetorik und das Streuen von Zweifeln an Verhandlungsansätzen.

Selenskyj fand in dem Gespräch klare Worte. Putin müsse akzeptieren, dass es an ihm liege, den Krieg, die Angriffe und das Blutvergießen zu beenden. Die Ukraine, so betonte der Präsident, setze alles daran, Frieden zu erreichen. Zugleich machte er deutlich, dass Frieden nicht durch immer neue militärische Experimente entstehen könne. Russland solle aufhören, ständig neue Wege der Kriegsführung zu suchen, und stattdessen darüber nachdenken, wie Sicherheit wiederhergestellt werden könne. Die Ukraine habe dazu Vorschläge unterbreitet.

In diesem Zusammenhang dankte Selenskyj Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung „auf dem Weg zum Frieden“. Es ist ein Dank, der zugleich Mahnung ist: Ohne internationale Rückendeckung, ohne politischen Druck und ohne Koordination bleibt jede Friedensinitiative fragil.

Während Selenskyj in Berlin und Washington um Unterstützung und Klarheit wirbt, laufen auch auf anderer Ebene Gespräche. Trump ließ am Montag mitteilen, er habe ein „positives Gespräch“ mit Putin geführt. Nach Angaben des Kremls sprachen die beiden Präsidenten dabei ebenfalls über die angeblichen Angriffe auf die Residenz des russischen Staatschefs.

Zwischen diesen Gesprächsfäden spannt sich ein fragiles diplomatisches Netz. Selenskyjs Telefonat mit Merz zeigt, dass die Ukraine bemüht ist, Transparenz herzustellen und Verbündete einzubinden. Gleichzeitig verdeutlichen die parallelen Gespräche Trumps mit Putin, wie komplex und widersprüchlich die diplomatische Lage bleibt. Frieden ist das erklärte Ziel – doch der Weg dorthin führt weiterhin durch ein Minenfeld aus Misstrauen, Propaganda und geopolitischen Interessen. +++ adm

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