Es war ein Prozess, der Deutschland veränderte – und Menschen für ihr ganzes Leben prägte. Am 20. Dezember 1963 begann der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, der größte öffentliche NS-Schwurgerichtsprozess der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Mehr als 60 Jahre später haben Zeitzeugen in der Katholischen Akademie des Bistums Fulda an diesen historischen Wendepunkt in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen und des Holocaust erinnert.
„Manchmal haben wir zusammen geweint“, sagte Zeitzeugin Rosi Helbig und schilderte eindrücklich die Befragungen in Vorbereitung auf die Prozesse. Initiiert wurden sie vom damaligen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer – gegen massive Widerstände. Ziel war es, die Verbrechen von Auschwitz endlich vor Gericht zu bringen. Für alle Beteiligten war das eine emotionale Zerreißprobe.
Auch Roland Reusing blickte auf diese Zeit zurück. Er erlebte den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess als junger Justizsekretär aus nächster Nähe. Er begegnete Fritz Bauer persönlich, sah viele der angeklagten ehemaligen Nazis und hörte die Aussagen zahlreicher Zeuginnen und Zeugen. Was Reusing und Helbig in diesen Wochen und Monaten zu hören bekamen, waren Ungeheuerlichkeiten, die sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis einbrannten.
Die Erlebnisse ließen beide nicht mehr los. Sie prägten ihr weiteres Leben tief – auch lange nach dem Ende des Prozesses. Zwar gelang es ihnen im Laufe der Jahre, das schleichende Gift des Misstrauens gegenüber ihren Mitmenschen zu überwinden. Doch die Zweifel blieben lange. So fragten sich beide etwa bei Bahnfahrten mit Blick auf ältere Mitreisende immer wieder, was diese Menschen wohl vor 1945 getan hatten.
Die Erinnerungen wurden im Rahmen eines Bildungsurlaubs an der Katholischen Akademie des Bistums Fulda geteilt. Grundlage dafür ist das Hessische Bildungsurlaubsgesetz (HBUG). Es gibt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Hessen das Recht, sich für anerkannte Weiterbildungen von der Arbeit freistellen zu lassen. Bildungsurlaub soll neue Perspektiven eröffnen, Wissen vertiefen und helfen, die eigene Zukunft bewusst zu gestalten. Davon profitiert nicht nur die einzelne Person, sondern auch das berufliche und gesellschaftliche Umfeld. +++










